Wobei Ergotherapie mir hilft – und wobei nicht

Wobei Ergotherapie mir hilft – und wobei nicht

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Nachdem die DSVGO jetzt endlich erledigt ist, komme ich vielleicht auch wieder zum Bloggen 😉

Über dreißig Stunden habe ich jetzt in der Ergotherapie hinter mir, alleine und in der Gruppe. Bei den Einzelstunden ist bei vierzig Stunden Schluss, die Gruppe kann länger fortgeführt werden.

Was Ergotherapie kann:

  • Sie hilft mir, Struktur in den Tag zu bringen. Ich nehme diese Termine ernst, keine Lust haben ist nicht Grund genug für eine Absage. Von mir aus habe ich nur einmal abgesagt, als ich das Hörgerät nicht tragen konnte.
  • Ab und an tut es mir gut, unter Menschen zu sein und zu einem anderen Grund als zum Einkaufen unter Leute zu gehen. Und ich habe eine wunderbare Therapeutin, die mir auch viele Dinge deutlich gemacht hat – eine großartige Ergänzung zur Gesprächstherapie. Ich habe auch sehr nette Menschen in der Gruppe kennengelernt.
  • Es ist schön zu sehen, wie Dinge entstehen. Mit Hausarbeiten werde ich nie fertig, aber in der Ergotherapie erschaffe ich etwas. Auch, wenn es mir am Ende nicht gefällt.

Was Ergotherapie nicht kann:

  • Eine dauernde Verbesserung meiner Depressionen hat sie nicht bewirkt. Aber meistens fühle ich mich zumindest für einige Stunden besser.
  • Den Schwung aus den Therapie schaffe ich nicht, mit in den Alltag zu nehmen. Dazu bin ich nach den Stunden zu erschöpft.

Diese Aufstellung hat natürlich keine allgemeine Gültigkeit und trifft nur auf mich zu. Aber die positiven Effekte der Ergotherapie sind unbestritten, und ich nehme, was ich kriegen kann.

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Gedächtnislücken|abc-etüden

Gedächtnislücken|abc-etüden

Es gibt wieder eine neue Schreibeinladung von Christiane, die Ideen sind diesmal von Elke H. Speidel, das Bild ist von Ludwig Zeidler.

Hatte sie jemals einen Maikäfer gesehen? Sie war in der Stadt groß geworden, sie konnte sich überhaupt nicht daran erinnern, einmal einem lebendigen Müller, Schornsteinfeger oder Kaiser begegnet zu sein. Genauso wie ihr vieles aus ihrer Kindheit entfallen war. Sie konnte nur leise „Weiß nicht“ murmeln und die Achseln zucken, wenn ihre gleichaltrige Cousine erzählte, was sie damals angeblich zusammen erlebt hatten. Wie es auch jetzt wieder der Fall war, bei der Geburtstagsfeier ihrer Tante. Sie hätte schreien können. Aber das tat sie natürlich nicht, auch wenn es sie völlig fertig machte, dass ihr Gedächtnis so große Lücken hatte. „Hey, wisst ihr noch, wie Sandra damals ausgerutscht und in den Pool in Omas Garten gefallen ist?“ prustete ihre Cousine gerade los und alle lachten. Sandra zog den Kopf noch ein wenig tiefer zwischen die Schultern und zwang sich zu einem Lächeln.

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Mai ist Melanom-Monat, Teil 3

Mai ist Melanom-Monat, Teil 3

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Im Laufe des Monats Mai werde ich meine Melanom-Geschichte erzählen, ich hatte das Thema hier schon einmal kurz gestreift.
Die ausführliche Vorgeschichte gibt es hier:
Mai ist Melanom-Monat, Teil 1
Mai ist Melanom-Monat, Teil 2

Die Ärztin erklärte mir, was sie „Standardprozedur“ nannte, „normalerweise behandeln wir einen solchen Befund so“: Nachexzision (noch mehr Gewebe um den ursprünglichen Tumor herum wegschneiden) und Sentinellymphknotenbiopsie (Untersuchung des nächst gelegenen Lymphknoten). Sie wartete nicht großartig auf Reaktionen von mir, sie drückte mir ein Stück Papier in die Hand und schickte mich eine Station höher, wo Patienten der Hautklinik stationär aufgenommen wurden. Verabschiedet wurde ich mich den Worten: „Und lassen Sie sich nicht einfach wieder wegschicken!“ Ich weiß noch, dass mich das ärgerte.

Ein Stockwerk höher warteten schon andere Patienten auf einen Termin für ihre stationäre Aufnahme. Die Patientin links neben mir erzählte mir ausführlich, dass sie unerklärliche blaue Flecken hat. Mittlerweile hatte ein Schock eingesetzt, ich zitterte und konnte es einfach nicht unterdrücken. Am liebsten hätte sie angeschrien: „Und ich habe Hautkrebs, du blöde Kuh! Halt einfach die Fresse!“

Wenigstens bekam ich ohne weitere Diskussionen einen Termin für die stationäre Aufnahme in der nächsten Woche.

Dann bekam der schwerste Teil: Es den anderen erzählen.

Ich stand weinend an der Straßenbahnhaltestelle und telefonierte mit meinem Mann, der zu diesem Zeitpunkt noch in Köln arbeitete. Ich verarbredete, dass ich ihn von der Arbeit abhole und wir dann zusammen nach Hause fahren. Alleine hätte ich es nicht geschafft.

Ich muss auch meinen Arbeitgeber angerufen haben, dass ich an diesem Tag nicht mehr komme, aber daran erinnere ich mich nicht.

Dann stand ich heulend vor meinem Mann, der von seinem Chef sofort freigestellt wurde, und er fuhr uns nach Hause.

Meinen Eltern wollte ich es später persönlich sagen, wir waren ein paar Tage später verabredet.

Zuhause wurde mir dann klar, dass es mit dem lange geplanten Malta-Urlaub nächste Woche nichts werden würde. Auch das noch. Aber wir waren uns beide einig, Gesundheit geht vor und das müssen wir jetzt durchziehen.

Am nächsten Tag ging ich zur Arbeit. Ich vereinbarte, dass ich ab sofort beurlaubt bin und mich melde, wenn ich mehr weiß. Eine Kollegin sagte, sie wäre an meiner Stelle trotzdem erstmal in Urlaub gefahren, um Kraft zu tanken. Aber ich hätte den Urlaub nicht genießen können mit dem Wissen, was danach noch vor mir liegt. Und die Stimme in meinem Kopf sagte: „Mach‘ es JETZT!“ Die Behandlung aufzuschieben, war nie eine Option. Und so verabschiedete ich mich von meinen Kollegen.

Meinen Eltern sagte ich ein paar Tage später beim Kaffee trinken. Eigentlich hatten wir uns nur noch einmal sehen wollen vor dem Urlaub. Der Anlass hatte sich geändert. Meinen Eltern war bis dahin nicht klar gewesen, dass Menschen an Hautkrebs auch sterben können. Ihren Schock behielten sie weitestgehend für sich.

Nachdem alle Bescheid wussten, blieb mir nur noch das Warten auf den Behandlungsbeginn.

~ Fortsetzung folgt ~

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Freitags-Füller #474

Freitags-Füller #474

Weil ich die Idee so schön finde, mache ich mit bei Barbaras

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Meine Ergänzungen sind fettgedruckt.

1. Endlich  sind die Tage wieder lang und hell.

2.  Ich hatte auch schon Sandalen in diesem Jahr an meinen Füßen.

3.  Wenn wir kuscheln, ist das immer gut für meine Stimmung.

4.  Mir fällt dazu nichts ein: Wollte ich immer schon sehen, aber ich habe es noch nicht geschafft.

5.  Egal ob  es mir schlecht geht, um unsere Tiere muss ich mich kümmern.

6.  Blaubeeren und Erdbeeren kann ich zur Zeit nicht widerstehen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Flammkuchen, morgen habe ich geplant, Beerennachschub zu holen und Sonntag möchte ich mit meinem Mann verbringen !

Freitagsfragen #9

Freitagsfragen #9

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Die Freitagsfragen gibt es bei Nickel. Meine Antworten sind grün.

1.) Wenn Du nicht schlafen müsstest, was würdest Du mit der Extrazeit machen? Malen, Kaffee trinken, über meine Lieben wachen, wenn sie schlafen. 

2.) Welchen fiktionalen Ort würdest Du gern einmal besuchen? Panem. Ich würde Katniss Everdeen gerne näher kennen lernen. 

3.) Könntest Du jede beliebige Aktivität in einen Olympischen Sport verwandeln, worin läge Deine größte Chance eine Medaille zu gewinnen? In der Disziplin IM-BETT-LIEGEN-UND-LÖCHER-IN-DIE-DECKE-STARREN bin ich unschlagbar. 

4.) Die Wahl der Qual: Doppelt so schnell blinzeln wie normal oder jeweils für 5 Minuten nicht blinzeln müssen, dafür jedoch alle 5 Minuten für 10 Sekunden die Augen schließen müssen? Dann lieber doppelt so schnell blinzeln. Da geht mir weniger verloren, als wenn ich alle fünf Minuten ganze zehn Sekunden die Augen schließen muss. 

Der Dämon Selbsthass

Der Dämon Selbsthass

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Während mir draußen zahlreiche Dämonen folgen, ist es im Haus nur ein einziger, aber der ist besonders schlimm: Selbsthass.

Er ist besonders hartnäckig, und er weiß genau, wie er mich am besten quälen kann. Er folgt mir den ganzen Tag, oft auch nachts.

Heute in der Therapie haben wir eine Visualisierung versucht. Ich sollte mir den Dämon vorstellen und mit ihm reden. Neu war die Erkenntnis, dass es auch Dinge gibt, die mir an ihm gefallen. Zum Beispiel, dass er nach ganz klaren Regeln spielt. Aber ich finde auch, dass er mich zu hart verurteilt. Schließlich war mein Leben nicht immer so wie heute, und ich habe mich trotz aller meiner physischen und psychischen Probleme lange in der „normalen“ Welt behauptet.

Ich sollte den Dämon dann ein Stück von mir wegschieben, und am Ende der Stunde war er auch nicht mehr schwarz, sondern eher grau.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass ich noch genug unter diesem Dämon zu leiden haben. Aber vielleicht habe ich doch ein gewisses Mitspracherecht!

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Ferngesteuert

Ferngesteuert

Nach dem Gefühl von gestern, einen heftigen Schlag in die Magengrube kassiert zu haben, fühle ich mich heute leer, taub und wie ferngesteuert.

Die wichtigsten Menschen sind über die neue Entwicklung informiert, und die Reaktionen waren durch die Bank gleichermaßen mitfühlend und aufmunternd. Dafür bin ich sehr dankbar.

Trotzdem bewege ich mich durch diesen Tag wie ein Robotor. Glücklicherweise bekomme ich auch in diesem Hilfsmodus das Wichtigste geregelt. Paket für den Nachbarn annehmen, Ergotherapie in der Gruppe, Kochen… und viele, viele Löcher in die Decke über meinem Bett starren.

Hallo Leben, darf ich morgen wieder mitspielen?