Die Geheimzutat |abc-Etüden

Die Geheimzutat |abc-Etüden

Christiane lädt wieder ein zu den abc-Etüden, die Ideen kommen dieses Mal von Gerda Kazakou.

Heute bin ich überzeugte Vegetarierin. Als kleines Mädchen habe ich auch nicht gerne Fleisch gegessen, aber lange Jahre habe ich eine Ausnahme für die Hühnersuppe meiner Großmutter gemacht.

Es war nicht nur das Endergebnis, das mich faszinierte, es war das ganze Drumherum.

Meine Oma, im ersten Weltkrieg geboren, hielt lange nichts von Fertiggerichten. Sie griff erst darauf zurück, als sie sehr alt war und das Selberkochen zu mühsam für ihre erschöpften Hände wurde. Aber so lange sie es konnte, benutzte sie ausschließlich frische Zutaten.

Aufmerksam verfolgte also die kleine Viola, wie ein ganzes Suppenhuhn und Gemüse skrupolös verarbeitet wurden und in den großen Topf wanderten, so dass möglichst wenig Reste übrig blieben. Am Ende kam immer ein bisschen von den frischen Kräutern dazu, die meine Oma auf dem Balkon stehen hatte. Natürlich durfte ich nicht beim Schneiden helfen, aber ich war vollkommen zufrieden, alles aus nächster Nähe verfolgen zu können und nahm alles in mich auf: Das Gelb der Möhren genauso wie den Geruch von Petersilie.

Dann kam der für mich schwerste Teil: Das lange Warten, bis alles fertig gekocht hatte. Ich muss ungefähr alle fünf Minuten gefragt haben, ob ich jetzt endlich essen kann. Es dauerte immer seine Zeit. Aber das Warten hat sich immer gelohnt.

Nie wieder habe ich etwas mit so viel Genuss gegessen wie die Hühnersuppe meiner Oma damals. Erst später wurde mir klar, dass das auch einer besonderen Zutat lag, die es nicht zu kaufen gibt: Liebe.

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7 Gedanken zu “Die Geheimzutat |abc-Etüden

  1. Liebe als Zutat, so sollte es sein, immer, und wie oft fehlt sie. Heutzutage kommt es mir vor, als sei „Liebe“ nur noch bei Plätzchen eine erwünschte Zutat, da steht sie jedenfalls häufiger auf der Liste …
    Danke dir, ich finde sie sehr, sehr schön, deine Erinnerung.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, es fehlt oft die Zeit, sich wirklich um die Zubereitung des Essens zu kümmern. Nach acht Wochen sehr langweiligem Krankenhausessen bin ich allerdings sehr motiviert, wieder selber den Kochlöffel zu schwingen… Kein Wunder also, dass ich bei Gerdas Stichworten an gutes Essen denken musste😉

      Gefällt 3 Personen

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