Herzensentscheidung|abc-Etüden

Herzensentscheidung|abc-Etüden

Christiane lädt wieder ein zu den abc-Etüden, die Ideen kommen dieses Mal von redskiesoverparadise.

„Eliten sind eben immer darauf bedacht, ihre Pfründe zu wahren!“

Das waren seine letzten Worte gewesen, bevor die Wohnungstüre hinter ihm ins Schloss gefallen war und sie fassungslos zurück geblieben war. Wenn sie vorher gewusst hätte, dass das erste Treffen mit ihren Eltern in ein Kreuzverhör ausarten sollte, hätte sie Sören darauf vorbereitet. Oder besser noch, sie hätte ihren Eltern gesagt, wie wichtig ihr war, dass Sören sich bei ihnen wohlfühlte.

Stattdessen hatte sie mit wachsendem Unbehagen dabei zugesehen, wie ihr Vater die Falle hatte zuschnappen lassen. Ob seine Eltern denn wenigstens in den eigenen vier Wänden wohnten, was er später studieren wollte, solche Sachen hatte er gefragt.

Sie wusste, dass Sörens Eltern nicht viel Geld hatten, weil seine Mutter immer für die Kinder Zuhause geblieben war, und dass Sören nach dem Abitur am liebsten eine Lehre bei einer Bank machen wollte. Aber so mondän ihre eigene Welt auch sein mochte, so kalt und unpersönlich war sie ihr auch oft erschienen. In Sörens Familie dagegen hatte sie sich immer wohl gefühlt. Es wurde gestritten und sich geneckt, und doch hielten alle zusammen.

Sie stand auf, ging durch den Flur, nahm ihre Jacke und verließ wortlos die Wohnung. Der Aufschrei ihrer Mutter „Wo gehst du denn hin?“ folgte ihr ins Treppenhaus.

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7 Gedanken zu “Herzensentscheidung|abc-Etüden

  1. Ein kluger Mann/Junge, der Sören. Und sie weiß immerhin, dass bei ihr zu Hause etwas völlig schiefläuft, auch wenn ihre Eltern das nicht mehr sehen wollen oder sehen können. Schwierig ist nur, schon in so einem Alter vor eine Entscheidung gestellt zu sein, egal, wofür sie sich entscheidet, sie verliert etwas Wichtiges …
    Auch dir eine schöne neue Woche!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  2. So oder ähnlich wäre das bei uns verlaufen, hätten unsere Eltern ihre Willen bekommen. Wir sollten ja verheiratet werden und nicht mal selbst wählen, damit wir bloß mit 18 aus dem Haus wären. Es wurde wirklich geschaut, an wen man mich quasi „verkaufen“ kann (ohne Geld nimmt den Krüppel keiner) beziehungsweise gezielt nach einer nicht sehr intelligenten aber finanziell besser gestellten Frau für meinen Bruder gesucht, die ihn zwar durchziehen sollte, aber keine Widerworte oder eigene Persönlichkeit haben sollte. Dass er „zu blöd sich richtig anzustellen“ ist, ist natürlich der Grund schlecht hin warum er bloß noch kinderloser Handwerker ist, dem ständig die Frauen weglaufen (die das nicht etwa tun weil unsere Mutter sie wegekelt oder übergriffig wird, nur nicht).

    Gefällt 1 Person

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