Geld und Moral | abc-Etüden

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Christiane lädt wieder ein zu den abc-Etüden, die Ideen kommen dieses Mal von umgeBUCHt.

Der Sonntagmorgen war kalt. Er ging zügig bis zum Feldrand, kontrollierte die Bindung seiner Schuhe, machte noch ein paar Stretchingübungen und lief los. Auf dem Gras am Wegrand war Raureif,und sein Atem wehte in weißen Wolken hinter ihm her. Das Laufen half ihm immer, wenn er seinen Kopf aufräumen musste.

Mit der Zeit fanden seine Beinen in ihren eigenen Rhythmus, und die Gedanken in seinem Gehirn begannen zu wandern.

Sein Vorgesetzter hatte ihm ein Angebot für eine Beförderung gemacht. Das Gehalt war ihm geradezu sündig hoch erschienen. Es gab nur einen ganz gewaltigen Haken bei der Sache: Seine Aufgabe würde sein, die Abteilung umzustrukturieren – und die Hälfte seiner Kollegen zu entlassen. Das hatte er sich nicht unter einer leitenden Position vorgestellt. Wie weit wollte und konnte er seine moralischen Wertvorstellungen verrücken? Könnte er seinen Mitarbeitern morgens in die Augen sehen und ihnen mittags kündigen?

Irgend jemand musste diesen Job ja machen, aber er war sich nicht sicher, ob er damit leben konnte, andere Menschen ins Unglück zu stürzen. Und er musste sich innerhalb einer Woche für den neue Stelle entscheiden. Andererseits hatte er noch nie so viel Geld verdient, und die Kredite für das Auto und die Küche waren noch nicht fertig abbezahlt.

Oh Mann, das war wirklich eine schwierige Sache… Er beschleunigte das Tempo und bog nach links in den Wald ab.

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11 Gedanken zu “Geld und Moral | abc-Etüden

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