Ein schweres Herz

Ein schweres Herz

Heute habe ich in der Gestaltungstherapie ein kaputtes Herz gemalt, das sich allmählich mit Bleikugeln füllt. So fühlt sich das nämlich im Moment an.

Der Therapeut sagte, dass Blei giftig ist und nichts in meinem Herzen zu suchen hat. Er ist sich aber sicher, dass das Herz wieder heilen kann, auch, wenn dann eine Narbe bleiben wird.

Mit einer Narbe mehr kann ich leben, aber ich muss irgendwie verhindern, dass noch mehr Blei dazu kommt 🤔

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Schatten der Vergangenheit

Schatten der Vergangenheit

Heute wurde mir mitgeteilt, dass ich morgen Termine für Physiotherapie vereinbaren soll. Als ich mir die Verordnung durchlas, kamen unangenehme Gedanken an frühere Psychiatrieaufenthalte wieder hoch, in denen ohne Rücksprache mit mir einfach Medikamente umgestellt wurden oder der Rollator einfach verboten wurde. Entsprechend aufgeregt sprach ich mit der Schwester.

Mir wurde versichert, dass hier so nicht gearbeitet wird. Aber die Schatten der Vergangenheit sind lang, und Vertrauen ist sowieso nicht meine Stärke.

Ich werde wohl abwarten müssen, was sich weiter ergibt.

Es hat nicht sollen sein|abc-Etüden

Es hat nicht sollen sein|abc-Etüden

Christiane lädt zum Etüdensommerpausenintermezzo. Ganz viele Interessierte haben dazu Worte beigesteuert, und die Bilder kommen von lz.

Durch Flüsterpropaganda hatte er von diesem Ort mitten im Wald erfahren, den angeblich kaum jemand kannte. Die Anfahrt dauerte dank einer Wanderbaustelle länger als geplant, aber auch das war ihm egal. Er brauchte einfach eine kurze Auszeit von Zuhause: Vom Drängen der Kinder, endlich das Kaninchenstallscharnier auszutauschen, vom Gesundheitswahn seiner Frau, die seinen heißgeliebten Kaffee durch Muckefuck ersetzt hatte und nur noch Knäckebrot zum Abendessen auftischte, und von der Bitte seiner Eltern, ihnen den Lampion im Garten aufzuhängen. Er liebte seine Familie, aber manchmal hatte er den Eindruck, dass alles an ihm hängenblieb. Endlich war er angekommen, setzte sich mit einem tiefen Seufzer unter eine große Tanne und genoss die Waldeinsamkeit. Ein leiser Windhauch trocknete seine Schweißtropfen und er dachte: „Perfekt! Genau, was ich brauche!“ Dann flog eine Graugans über ihn hinweg; während er noch ihrem Ruf lauschte, landete etwas Feuchtes auf seinem Hemd. Er hatte natürlich kein Taschentuch dabei, um den Graugansmist abzuwischen, aber es war nicht zu ändern. Er lehnte sich zurück an den Stamm der Tanne und versuchte, sich wieder zu entspannen. Gerade als er sich besser fühlte, hörte er Schritte, und ein turtelndes, kicherndes Liebespärchen zog vorbei. Er seufzte wieder, anscheinend war der Platz doch nicht so unbekannt. Als ihm wenige Sekunden später auch noch ein laut pfeifender Wandersmann „Frisch auf!“ zurief, gab er zähneknirschend auf und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Auto. Er würde sich wohl andere Möglichkeiten zum Entspannen suchen müssen…

Ein ruhiger Samstag

Ein ruhiger Samstag

Am Wochenende finden keine Therapien statt, und die meisten Patienten verlassen die Station, um nach Hause zu fahren. Ich verabredete mich also für den Nachmittag mit meinen Eltern, die in der Nähe wohnen, zum Kaffeetrinken.

Meine Mutter hat eine köstliche Torta Della Nonna gebacken, und sie war wunderbar.

Noch wichtiger war aber, dass ich ein Thema ansprach, was mich schon lange quält: Dass ich mich wie ein Versager fühle, weil ich sie nicht zu Großeltern gemacht habe. Meine Eltern wären sicher wundervolle Großeltern geworden.

Meine Mutter sagte zu mir: „Ich sage dir aus tiefstem Herzen, dass alles gut ist, wie es ist.“

Und sie meinte es auch so. Es hat mich so erleichtert, das zu hören. Keine Ahnung, warum ich das nicht schon lange vorher angesprochen habe, die Antwort wäre die gleiche gewesen.

Mein Herz ist jetzt ein Stück leichter.

Freitags-Füller # 485

Freitags-Füller # 485

Weil ich die Idee so schön finde, mache ich mit bei Barbaras

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Meine Ergänzungen sind fettgedruckt.

1. Eigentlich müsste ich jetzt für meine Rudel da sein, geht aber nicht wegen Krankenhaus. Das macht mir immer ein schlechtes Gewissen.

2. Die Wahrheit liegt meistens irgendwo in der Mitte.

3. Unter dem Tisch lauert – wenn wir nicht aufpassen – bei uns mindestens ein Hund, dass wir leckere Sachen unbeaufsichtigt lassen.

4. Für mich ist Stevia oft genau so gut wie Zucker.

5. Solange noch Sommer ist, esse ich Eis .

6. Ich habe viele Lieblingskuchen, Hauptsache, meine Mutter backt.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine schöne Dusche, morgen habe ich geplant, meine Eltern zu besuchen und Sonntag möchte ich mit meinem Mann Kaffee trinken gehen !

Freitagsfragen #20

Freitagsfragen #20

Die Freitagsfragen gibt es bei Nickel. Meine Antworten sind fett.

1.) Kleidest Du Dich eher modisch oder praktisch? Ganz klar, meistens praktisch. Modisch ist den besonderen Gelegenheiten vorbehalten.

2.) Viele Menschen haben einen SUB (Stapel ungelesener Bücher). Hast Du eine LUF (Liste ungesehener Filme)? Nein, seit Jahren habe ich irgendwie den Anschluss verloren, was Filme angeht. Ich lese lieber.

3.) Was ist etwas, das alle außer Dir zu mögen / nicht zu mögen scheinen? Da fällt mir nichts ein. Bin eben kein außergewöhnlicher Mensch.

4.) Die Qual der Wahl: Du verreist mit Deiner Lieblingsperson zu dem Ort, zu dem Du schon immer mal reisen wolltest, doch im Flugzeug ist nur noch ein Platz frei. Wer fliegt? Keiner. Wir haben uns zusammen darauf gefreut, das gemeinsam zu erleben, und wenn das nicht geht, wird aus der Sache eben nichts.

Gezeiten

Gezeiten

Da bin ich noch keinen Tag in dem neuen Krankenhaus, und schon habe ich etwas gefunden, was mich zum Nachdenken bringt.

Zunächst war da wieder einmal der Eindruck, das Personal nimmt sich Zeit für die Patienten. Und so erzählte mir meine Bezugspflege heute von dem Konzept, nachdem in diesem Haus gearbeitet wird:

Wir alle sind unterwegs auf einem Meer von Emotionen. Jeder kann kentern oder Schiffbrüchiger werden. Dann kommt es darauf an, die gekenterte Person mit dem zu versorgen, was zur Weiterfahrt nötig ist. Das kann ein Segel sein, oder Holz.

Ein so individueller Ansatz ist mir in der Psychiatrie noch nicht begegnet. Auf die Praxis bin ich gespannt.

Einerseits wird sich hier für die Patienten Zeit genommen, andererseits effizient gearbeitet. Vor dem Mittagessen war schon Blut abgenommen und der Blutdruck gemessen worden, ich hatte mit der Ärztin und der Psychologin gesprochen und die Bezugspflege hatte mir alles gezeigt und erzählt.

Nach dem Mittagessen war ich noch bei der Chefarzt-Visite, und jetzt habe ich bis zum Abendessen frei. Morgen beginnt dann der normale Alltag.