Endlich ist auch der Kopf wieder Zuhause

Endlich ist auch der Kopf wieder Zuhause

Obwohl ich seit Donnerstag wieder Zuhause bin, war ein Teil von mir immer noch nicht angekommen. Ich hatte immer noch das Gefühl, nur auf Besuch zu sein.

Gestern standen dann die ersten Termine an. Der Tag begann damit, dass ich den Wecker nach dem Wecken ausschaltete und wieder einschlief… Die friedlich neben meinem Kopfkissen schlafende Katze war keine Hilfe. Als ich dann wieder munter wurde, musste ich mich ziemlich beeilen.

Im Bus fühlte ich mich dann auf einmal sehr ängstlich und niedergeschlagen. Das letzte Mal als ich zur Podologin gefahren bin, ging es mir schon sehr schlecht, und ich weiß aus Erfahrung, dass mein Körper ein eigenes Gedächtnis hat. Ich dachte, „Meine Güte, so schlecht habe ich mich mal gefühlt?“

Der nächste Termin war erst am Nachmittag, also fuhr ich danach wieder nach Hause und fand noch Energie, eine Stunde lang zu putzen.

Dann ging es zur Ergotherapie, dort findet eine Gruppe statt, die PMR nach Jacobsen anbietet. Ich habe damit in der Klinik sehr gute Erfahrungen gemacht und möchte das gerne beibehalten.

Ich betrachte es als absoluten Luxus, mich eine Stunde nur der Entspannung widmen zu können. Mein Körper fühlte sich an wie auf einer Wolke, und die Gedanken kamen und gingen. Und auf einmal war da das Gefühl „Ja, ich bin wieder Zuhause!“. Endlich. Ich kann nicht genau sagen, was das ausgelöst hat. Aber es hat sich ungeheuer gut angefühlt. Und es hat mich seitdem nicht mehr verlassen. Das darf gerne so bleiben!

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Der neue Alltag

Der neue Alltag

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Freitag habe ich damit angefangen, Termine zu vereinbaren. Zuerst habe ich befürchtet, dass ich dann sofort einen vollen Terminkalender habe. Aber zum einen sind Hausärztin, Schmerzärztin und Therapeut in Ferien, zum anderen hat sich eine Gruppe bei der Ergotherapie aufgelöst und Einzeltermine werden erst wieder ab November frei. Also bleibt mir noch Zeit zum Durchschnaufen.

Im Moment genieße ich den milden Herbst in vollen Zügen. Das schöne Wetter macht es mir leicht, meine neue Allzweckwaffe Spazierengehen einzusetzen. Bewegung hilft mir gegen Depressionen, Unruhe und Rückenschmerzen. Im Moment bin ich aber noch beschäftigt, Kondition aufzubauen. Ein Jahr fast ohne Bewegung hat Spuren hinterlassen.

Generell habe ich festgestellt, dass ich wesentlich mehr Antrieb habe als vor dem Klinikaufenthalt. Morgens Aufstehen klappt gut, und ich schaffe, was ich mir vornehme. Wenn ich zwischendurch eine Pause brauche, nehme ich mir eben die Zeit. Und ich treffe gute Entscheidungen, wieviel ich in an einem Tag schaffen kann.

Ein guter Anfang ist also gemacht. Jetzt muss ich so weitermachen, damit der neue Tagesablauf in Fleisch und Blut übergeht. Hoffentlich habe ich die nötige Selbstdisziplin dazu.

Morgen geht es dann zur Podologin und zur Entspannungsgruppe der Ergotherapie. Das sollte stressfrei sein, und dazwischen will ich noch eine Stunde Hausarbeit packen, mehr nicht.

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10 Dinge, für die ich diese Woche dankbar war

10 Dinge, für die ich diese Woche dankbar war

Diese Woche ist habe ich keine Idee für die Etüden, also übernehme ich aus meinem englischen Blog die zehn Dinge, die in der letzten Woche gut gelaufen sind.

  • Donnerstag bin ich nach acht Wochen Krankenhaus endlich nach Hause gekommen. Auch wenn sich das immer noch komisch anfühlt, ich war an einem Punkt, an dem mehr Therapie nicht mehr gebracht hätte. Der Zeitpunkt meiner Entlassung war definitiv richtig.
  • Die Therapie war nicht immer einfach, aber ich fühle mich gut auf das Leben vorbereitet und ich mag, wie sich mein Kopf gerade anfühlt.
  • Unsere Hunde haben mich freudig begrüßt, obwohl sie mich zwei Monate nur sporadisch gesehen haben. Es hat wahrscheinlich geholfen, dass ich Leckerchen dabei hatte😀. Aber es ist schön, dass sie mich nicht vergessen haben. Es ist schwierig, einem Tier zu erklären, dass der Mensch ein paar Wochen weg muss.
  • Unsere Katze hat sich ebenfalls schnell daran gewöhnt, dass ich wieder Zuhause bin – ein Mensch mehr, den sie herumkommandieren kann, aber sie ist im Moment auch sehr anhänglich.
  • Mein Mann und ich haben meine Rückkehr mit einem thailändischen Essen gefeiert. Diese Momente der Zweisamkeit sind in letzter Zeit definitiv zu kurz gekommen. Aber ich habe viele Ideen.
  • Mein Mann kommt gerade zu seinem lange erwarteten Angelausflug. Das war schon im Sommer geplant, aber dann kam mein Krankenhausaufenthalt dazwischen. Ich bin froh, dass das Wetter noch so schön ist und hoffe, er hat viel Spaß.
  • Ich war heute lange spazieren. Das Wetter war wunderbar warm und sonnig, danach war ich angenehm entspannt.
  • Beim Spazierengehen bin ich vielen Leuten begegnet, die das Gleiche getan haben. Alle waren gut gelaunt, wir haben uns alle angelächelt. Das ist selten in Deutschland😁.
  • Jetzt, wo ich Zuhause bin, kann ich endlich entscheiden, was ich esse… Acht Wochen langweiliges Krankenhausessen haben ein Verlangen nach frischem Obst und Salat hinterlassen. Wie soll man gesund werden, wenn es nur totgekochtes Essen gibt?
  • Zuerst habe ich befürchtet, dass ich mich unsicher und ängstlich fühlen würde, wenn ich die sichere Umgebung des Krankenhauses wieder verlasse, aber ich habe Glück und gewöhne mich schnell um.
Heimkehr

Heimkehr

Donnerstag Morgen blieb mir nur noch, mich zu verabschieden, und Mitpatienten und Schwestern schickten mich mit viel Zuversicht und herzlichen Umarmungen nach Hause.

Nächster Halt war die Institutsambulanz meines örtlichen Krankenhauses, denn ich brauchte ein Rezept für das neue Antidepressivum. Das dauerte einige Stunden. Noch zur Apotheke und ein paar Dinge einkaufen, und endlich saß ich im Bus nach Hause.

Kaum hatte ich die Türe geöffnet, begrüßten mich die Hunde – ich war selbstverständlich gerüstet und hatte Leckerchen dabei. Dann kam die Katze auch noch dazu und wollte in den Garten. Als ich ihr die Türe öffnete, fielen mir die gelben Blätter auf dem Boden auf, und ich war einen Moment verwirrt. Mein Gehirn musste erst verstehen, dass ich im Hochsommer ins Krankenhaus gegangen war und mittlerweile die Jahreszeiten gewechselt hatten.

Meine Sachen wieder endgültig einzuräumen, fühlte sich zunächst auch komisch an.

Mein Mann kam sehr gestresst nach Hause, weil er direkt zwei platte Reifen an seinem Auto hatte. Die Stimmung besserte sich aber, nachdem wir gegessen hatten.

Abends war ich dann völlig fertig. In meinem Kopf waren so viele Gefühle, aber ich bekam keines so richtig zu fassen. Ich war gewarnt worden, dass so etwas vorkommen kann. Für diesen Fall sollte ich die Gefühle vorbei ziehen lassen und sie wieder bekämpfen noch festhalten. Ein paar Tränen flossen, aber der Sturm zog auch wieder ab.

So ganz bin ich immer noch nicht wieder Zuhause angekommen, aber das braucht wahrscheinlich einfach ein bisschen. Ich ziehe mich nicht zurück, ich schaffe auch vieles, aber ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Das beunruhigt mich aber nicht allzu sehr. Mein Kopf ist immer noch wunderbar ruhig, ohne müde zu sein und wach, ohne hektisch zu sein. Mehr kann ich für den Moment nicht erwarten.

“ Mit ihr hatten wir einen Lauf“…

“ Mit ihr hatten wir einen Lauf“…

…mit diesen Worten stellte mich gestern die Chefärztin der neuen Oberärztin vor. Nun ja, ganz so einfach fand ich die Zeit hier dann doch nicht, aber ich muss zugeben, dass ich eine Menge erreicht habe. Der letzte Schritt war, Montag Abend die letzte kleine Opiatdosis durch ein anderes Schmerzmittel zu ersetzen. Das klappte problemlos.

Heute, an meinem letzten vollen Tag auf Station ging es eigentlich nur noch um Abschlussgespräche. Den Anfang machte heute morgen die Pflege. Es würde mir gesagt, alle waren sehr beeindruckt, wie viel ich in diesen acht Wochen erreicht habe.

Dann das Abschlussgespräch mit der Ärztin, das letzte Blutbild war zufrieden stellend. Im Moment leiden Leber und Nieren nicht unter Psychopharmaka und Schmerzmitteln.

Es folgte das psychotherapeutische Abschlussgespräch, wieder mit der Ärztin, weil meine Psychologin in Urlaub ist. Auch hier wurde das Erreichte lobend erwähnt, und wir sprachen darüber, wie ich die erste Zeit Zuhause am besten angehe.

Als Letztes dann ein Gespräch mit dem Kunsttherapeuten. Hier ging es darum, dass ich mir Freiräume geschaffen und genutzt habe.

Meine Stimmung schwankte den ganzen Tag zwischen „Juchu, es geht nach Hause!“ und „Hoffentlich schaffe ich das!“ Mir wurde gesagt, das ist normal.

Die Geheimzutat |abc-Etüden

Die Geheimzutat |abc-Etüden

Christiane lädt wieder ein zu den abc-Etüden, die Ideen kommen dieses Mal von Gerda Kazakou.

Heute bin ich überzeugte Vegetarierin. Als kleines Mädchen habe ich auch nicht gerne Fleisch gegessen, aber lange Jahre habe ich eine Ausnahme für die Hühnersuppe meiner Großmutter gemacht.

Es war nicht nur das Endergebnis, das mich faszinierte, es war das ganze Drumherum.

Meine Oma, im ersten Weltkrieg geboren, hielt lange nichts von Fertiggerichten. Sie griff erst darauf zurück, als sie sehr alt war und das Selberkochen zu mühsam für ihre erschöpften Hände wurde. Aber so lange sie es konnte, benutzte sie ausschließlich frische Zutaten.

Aufmerksam verfolgte also die kleine Viola, wie ein ganzes Suppenhuhn und Gemüse skrupolös verarbeitet wurden und in den großen Topf wanderten, so dass möglichst wenig Reste übrig blieben. Am Ende kam immer ein bisschen von den frischen Kräutern dazu, die meine Oma auf dem Balkon stehen hatte. Natürlich durfte ich nicht beim Schneiden helfen, aber ich war vollkommen zufrieden, alles aus nächster Nähe verfolgen zu können und nahm alles in mich auf: Das Gelb der Möhren genauso wie den Geruch von Petersilie.

Dann kam der für mich schwerste Teil: Das lange Warten, bis alles fertig gekocht hatte. Ich muss ungefähr alle fünf Minuten gefragt haben, ob ich jetzt endlich essen kann. Es dauerte immer seine Zeit. Aber das Warten hat sich immer gelohnt.

Nie wieder habe ich etwas mit so viel Genuss gegessen wie die Hühnersuppe meiner Oma damals. Erst später wurde mir klar, dass das auch einer besonderen Zutat lag, die es nicht zu kaufen gibt: Liebe.

Freitags-Füller # 492

Freitags-Füller # 492

Weil ich die Idee so schön finde, mache ich mit bei Barbaras

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Meine Ergänzungen sind fettgedruckt.

1. Was ist schöner, als an einem sonnigen Herbsttag schmerzfrei lange Spaziergänge mit den Hunden machen zu können?

2. Seit ich nicht mehr arbeite, fehlt mir mein Feierabendritual.

3. In meiner Heimatstadt genieße ich die lockere rheinische Lebensart sehr.

4. Die letzten acht Wochen stationäre Psychotherapie waren voller echter Emotionen.

5. Ich kenne mich selber auch nach fast fünfzig Jahren nicht vollkommen.

6. Gemütlich mit dem Rudel zusammen abzuhängen ist ganz großes Kino.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Ruhe, morgen habe ich geplant, die Herbstsonne zu genießen und Sonntag möchte ich stressfrei wieder auf Station ankommen!