… und tschüss 2017

… und tschüss 2017

Ich bin in Köln geboren und aufgewachsen, und als es um die Planung für Silvester 2017 ging, hatte ich die Idee, auf einem Schiff ins neue Jahr zu feiern. Meine Schwiegereltern und ein Schwager schlossen sich uns an.

Eine wundervolle Gelegenheit, sich herauszuputzen und mit netten Menschen zu feiern … Nicht für mich, natürlich. Die Tränen begannen schon  im Auto auf dem Weg zu meinen Schwiegereltern zu laufen. Sammys letzte Atemzüge in Endlosschleife vor meinem inneren Auge. Die Gewissheit, eine lange, wunderbare Zeit mit ihr verbracht zu haben, war wieder einmal nicht Trost genug.

Auf dem Boot wurde Musik gespielt, um mich herum wurden alle immer fröhlicher und tanzten, und ich wurde immer trauriger. Noch mehr Tränen flossen. Es kam mir vor, als ob alle außer mir einen festen Platz im Leben haben. Meine Schwägerin wird Ende August ihr erstes Kind bekommen, das lang ersehnte Enkelkind für meine Schwiegereltern. Das Leben geht weiter, heißt es. Für den Rest der Welt vielleicht. Nur ich stecke in meiner persönlichen kleinen Hölle fest und finde keinen Weg hinaus. Großes Kino. 

Alle waren so nett zu mir und versicherten mir, dass es mir 2018 besser gehen wird. Wie sagte schon Goethe, „Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. 

Ich habe mich damit abgelenkt, Fotos zu machen und war erstaunt, wie gut das auch im Dunklen mit meinem Galaxy S7 klappt. Es war bittersüß, mit dem Schiff an Plätzen vorbei zu fahren, die ich seit meiner Kindheit kenne. Ich bin im Herzen eben immer e kölsch Mädche geblieben. Und ich gestehe es, ich habe die FC Köln Hymne lauthals mitgegrölt.

Gefühlschaos am laufenden Band.

Um drei Uhr waren wir wieder zu Hause, die Katze begrüßte uns kurz und verlangte Futter. Ich konnte erst nicht einschlafen, aber fünf Stunden Schlaf mit einer schnurrenden Jackie zwischen uns haben die Wogen wieder etwas geglättet. Heute lassen wir es ruhig ausklingen, ab morgen ist dann wieder Alltag. Ohne Vorsätze. Jeden Tag irgendwie hinzubekommen ist im Moment genug für mich.

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2017

2017

+++TRIGGERWARNUNG: ES WERDEN SELBSTMORDGEDANKEN UND SELBSTVERLETZENDES VERHALTEN ERWÄHNT+++

Nun, das vergangene Jahr war vielleicht nicht das schlimmste in meinem Leben, aber es war nahe dran.

Ich brachte schon ein Päckchen aus 2016 mit, hartnäckige Depressionen, die sich durch nichts beeinflussen ließen. In der Form kannte ich das bisher nicht und war an einen wellenförmigen Verlauf gewöhnt, in dem ich in besseren Zeiten manchmal Luft holen konnte. Aber seit gut eineinhalb Jahren gibt es nur noch das Wellental für mich.

Im Februar ein Krankenhausaufenthalt in der Neurologie, der im Januar hätte stattfinden sollen. Damals verschob das Krankenhaus am Vortag die stationäre Aufnahme um vier Wochen, weil kein Bett frei war. Zu diesem Zeitpunkt litt ich schon seit einem Jahr unter Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Waden und Füßen, aber Termin beim Neurologen nur mit monatelanger Wartezeit, Termin im Krankenhaus nur mit monatelanger Wartezeit – es zog sich alles hin. Diagnose Restless Legs Syndrom, es hätte schlimmer kommen können und wurde mit Medikamenten auch schnell besser, aber für mich war es noch ein Päckchen mehr zu tragen, noch mehr Tabletten, noch mehr Probleme.

Im Frühjahr schlug mein Psychiater einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie vor, und ich ließ mich widerstrebend auf die Warteliste setzen. Aber als der Anruf aus dem Krankenhaus kam, dass am nächsten Tag ein Bett für mich frei war, sagte ich ab. Nicht, weil ich mich wunderbar fühlte, sondern weil ich nicht die Kraft hatte, mehrere Wochen Therapie durchzustehen.

Die Depressionen wurden immer schlimmer und reagierten auch auf Umstellung der Medikamente nicht. Selbstmordgedanken wurden meine tägliche Begleiter, ich verletzte mich immer häufiger selbst. Irgendwann sah ich ein, dass ein stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie unumgänglich war.

Im September starb meine Herzenskatze Sammy. Natürlich weiß jeder Tierbesitzer, dass dieser Abschied einmal kommen wird. Sie war achtzehn Jahre alt und einfach müde nach einem langen Leben. Ich weiß, sie hatte es gut bei uns, und dass das Leben nun mal so ist. Aber mein Schmerz über diesen Verlust wird nur ganz langsam weniger und wird bestimmt noch lange spürbar sein. Der Zeitpunkt hätte jedenfalls kaum schlechter sein können. Noch ein Päckchen mehr zu tragen …

Dann der stationäre Aufenthalt in der Psychiatrie, der fünfte in meinem Leben. Umstellung der Medikamente, Therapien und auf einmal viele Leute um mich herum ohne Rückzugsmöglichkeiten. Vorübergehend war vieles besser, viele Alltagsaufgaben wie Haushaltsführung und Einkaufen wurden mir in diesem Umfeld abgenommen. Nach vier Wochen kam ich wieder nach Hause. Und rumms, trotz aller mühevollen Vorbereitung war alles wieder so schlimm wie vorher. Ich war entsetzt und traurig – ein stationärer Aufenthalt hatte in der Vergangenheit wenigstens für ein paar Monate bessere Lebensqualität garantiert. Eine weitere Waffe im Kampf gegen die Depression ist stumpf geworden.

Weihnachten brachte ja auch nicht wirklich Erholung, und so sitze ich dann heute hier und frage mich, was ich tun kann, damit 2018 besser wird. Ich werde auf jeden Fall Egotherapie beibehalten, und die Gesprächstherapie ist zum letzten Mal verlängert worden. Meine Schmerzärztin hat eine stationäre psychosomatische Behandlung vorgeschlagen, aber da kämpfe ich noch mit mir selber, ob ich genug Kraftreserven dafür habe. Vielleicht muss ich diese bittere Zeit einfach nur irgendwie durchstehen und irgendwann scheint die Sonne eben wieder.

Wie auch immer, ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein fantastisches 2018! Wir sehen uns im neuen Jahr!