Prioritäten setzen

Prioritäten setzen

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Zur Zeit arbeiten wir an unserer Terrasse, damit der Keller darunter nicht mehr feucht wird. Mein Mann hat vorgeschlagen, dass ich mit dem Hochdruckreiniger die Steinplatten sauber mache, bevor er die Terrasse abdeckt. Ich fand die Idee klasse, weil dann auch von mir etwas in der neuen Terrasse steckt, für viele Arbeiten falle ich wegen meinem Rücken ja leider aus.

Es stellte sich heraus, dass ich mir alles etwas zu einfach vorgestellt hatte. Längere Zeit in der gleichen Haltung verharren zu müssen ist nicht angenehm für meinen Rücken. Bald war mir klar, dass ich viele Pausen brauche und deswegen vieles im Haushalt liegen bleiben muss. Das hat mich ziemlich geärgert, ist aber nicht zu ändern.

Irgendwann habe dich Gegebenheiten widerwillig akzeptiert, und auch mein Mann war  damit einverstanden, dass im Haushalt diese Woche mehr liegen bleibt. Das Nötigste wird gemacht, gründlich geputzt wird dann nächste Woche, so der Plan. Schließlich wollen wir im Sommer auch noch etwas draußen sitzen können.

Wie das Bild oben zeigt, war es wirklich nötig. Und auch wenn es anstrengend war, hat es Spaß gemacht. Es hat sich gelohnt, vom ursprünglichen Plan abzuweichen und neue Prioritäten zu setzen.

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Ich würde gerne…

Ich würde gerne…

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… häufiger bloggen. Es ist nicht so, dass mir die Ideen ausgegangen wären. Ich habe mehrere Blogeinträge angefangen, aber irgendwie schienen sie mir nicht gut genug. Irgendwann werde ich sie hoffentlich überarbeiten, zufrieden sein und sie veröffentlichen.

Im Moment habe ich mit dem Alltag zu kämpfen und bin froh, wenn ich mein Tagesprogramm geschafft habe. Wobei ich froh bin, dass das noch funktioniert – es könnte noch viel schlimmer sein. Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt.

Diese Durchhänger sind wahrscheinlich normal, aber es fällt mir immer schwer, sie einfach zu ertragen und nicht in Panik zu verfallen. Denn ich weiß mittlerweile, wie weit nach unten es gehen kann.

Also nehme ich mir vor, möglichst ruhig zu bleiben und Kollateralschäden zu vermeiden. Ein Tief ist nicht schön, aber mein Verstand weiß, dass auf ein Tief auch wieder ein Hoch kommt. Jetzt muss nur noch mein Gefühl nachziehen.

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Sozialkontakte…

Sozialkontakte…

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…sind ein Teil meines Lebens, der von den Depressionen besonders betroffen ist.

Als ich nicht mehr arbeiten ging, merkte ich sehr schnell, dass mir das Zusammensein mit Kollegen fehlte. Dabei ging es weniger um tiefgreifende Gespräche, als um das alltägliche Miteinander – diese kleinen Bruchstücke des Lebens, die geteilt werden. „Geht es besser mit der Erkältung?“, „Wie läuft es mit dem Umzug?“, „Sind die Softwareprobleme gelöst?“ Täglich war ich Teil von einem gemeinsamen, großen Ganzen. Das fiel dann auf einmal weg.

Außerdem halten nicht viele Freundschaften eine langwierige, chronische Erkrankung aus. Ich bin auch sicherlich im Lauf der Jahre ein anderer Mensch geworden: Abgekämpft, müde und manchmal auch einfach traurig oder zynisch. Es kann sein, dass ich Treffen kurzfristig verschieben oder absagen muss, oder dass ich es nicht mehr schaffe, stundenlang zu telefonieren. Genau so wenig schaffe ich es, regelmäßig ein Hobby zu betreiben und dadurch neue Bekanntschaften zu knüpfen.

Und wenn es zu einem Treffen kommt, was soll ich aus meinem Leben erzählen? Was Sam beim Gassi gehen gemacht hat, wie die letzte Ergotherapie war? Das kann ziemlich uninteressant sein für gleichaltrige Menschen, deren Leben zum großen Teil aus Arbeit und/oder Familie besteht. Ich kann zuhören, aber nicht mehr von eigenen Erlebnissen berichten. Für mein Gegenüber gilt das Gleiche. Das braucht viel Toleranz von beiden Seiten.

Resultat: Nicht viele Beziehungen haben diese drastische Wende überlebt, die mein Leben vor fünf Jahren genommen hat. Allerdings sind in dieser Zeit auch neue Menschen in mein Leben gekommen, vor allem durch den Tierschutz und die Ergotherapiegruppen. Diese neuen Beziehungen stehen auf einer vollkommen anderen Basis, weil diese Menschen mein altes Ich nicht kennen gelernt haben. Ich profitiere dabei auch von meinem Mann, der mich immer wieder in das normale Leben mitzieht. Insofern ist mir nicht passiert, was vielen Menschen in meiner Situation passiert, die dann fast völlig aus dem Leben ausgeschlossen werden. Also, auch wenn ich die Beziehungen von früher manchmal sehr vermisse, geht es mir doch noch ziemlich gut.

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Jahrestage

Jahrestage

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Frühling bedeutet auch immer, dass sich die Jahrestage meiner Psychiatrieaufenthalte mehren. Meistens hat mein Zustand sich im Winter verschlechtert, so dass im Frühling dann ein stationärer Aufenthalt nötig war.

Dieses Jahr lautet meine Bilanz also: 31 Jahre ist mein erster Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie jetzt her, und 10 Jahre mein erster Aufenthalt in der Erwachsenenpsychiatrie.

Am meisten ärgert mich heute, dass mir immer gesagt wurde, dass „alles wieder gut“ werden würde. Natürlich habe ich das geglaubt und auch viel dafür getan. Und es wurde ja auch immer wieder besser, dann aber auch wieder sehr viel schlechter.

Auch gestern sagte meine Ergotherapeutin, dass es doch sicher auch Leute gibt, die nach so langer Zeit den Weg aus der Depression heraus gefunden haben. Sie meinte es nur gut, aber ich will vor allem realistisch sein. Ich erwarte keine völlige Heilung von Depressionen mehr, stattdessen will ich mich in meinem Leben so einrichten, wie es eben ist. Mit guten und schlechten Zeiten eben.

Sich mit den Dingen abzufinden bedeutet für mich nicht aufzugeben. Es wird aber von Außenstehenden oft so aufgefasst. Für mich bedeutet es, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu bewegen und einen Mittelweg anzustreben.

Und diese Jahrestage sind für mich auch Anlass, mir selber auf die Schulter zu klopfen, denn immerhin bin ich noch auf dieser Welt. Wie so oft gibt es eben auch hier eine Medaille mit zwei Seiten.

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Versuch macht kluch…

Versuch macht kluch…

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… war der Kommentar meines Mannes zu seiner Geburtstagsfeier.

Ich hätte es dann eher Desaster genannt. Meine Schwägerin kam in das Wohnzimmer, auf dem Arm ihre sechs Monate alte Tochter, und in mir brach alles zusammen. Ich winkte in die Runde, sagte, dass ich oben bin und floh – in die Arme meiner zweifelhaften Freundin namens Rasierklinge. Danach schluckte ich mein Bedarfsmedikament und legte mich ins Bett.

Später kam meine Mutter hinterher und schlug vor, einen Spaziergang zu machen. Also zog ich mich wieder um und wir gingen eine Viertelstunde durch die verregnete Nacht und redeten. Danach fühlte ich mich etwas ruhiger. Dann ging meine Mutter zurück zur Feier und ich wieder ins Bett.

Am Sonntag fühlte ich mich miserabel und kam nicht aus dem Bett.

Gestern war es zumindest etwas besser. Aber mir wurde klar, dass ich Ruhe brauche. Also sagte ich die Ergotherapietermine für diese Woche ab. Ich möchte einfach meinen Gedanken nachhängen können und zur Ruhe kommen.

Heute ging es dann wieder ein Stück aufwärts. Ich schminkte mich immerhin ein bisschen, ging einkaufen und ruhte mich bei Kaffee und Kuchen aus, bevor ich nach Hause zurück fuhr.

Außerdem habe ich gestern wie jeden Montag mit meiner üblichen Putztour durch das Haus begonnen. Mit jedem Zimmer, das ich putze, gewinne ich wieder ein Stück Sicherheit zurück.

Und um auf den etwas locker dahin gesagten Kommentar meines Mannes zurück zu kommen: Immerhin weiß ich jetzt sicher, dass ich noch nicht bereit bin für Kontakt zu dem Baby. Die Ungewissheit davor war noch viel schlimmer. Wir alle wissen jetzt, woran wir sind. Jedem ist klar, dass ich noch Zeit brauche. Diese Klarheit empfinde ich trotz allem Schmerz als positiv.

Aber im Moment brauche ich erst einmal Ruhe, um wieder mein Gleichgewicht zu finden. Ich habe keinen Zweifel daran, dass ich mich wieder besser fühlen werde, aber es ist wichtig, diese Woche erst einmal ruhiger angehen zu lassen. Wünscht mir Glück!

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Müdigkeit und Stress

Müdigkeit und Stress

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Am Samstag werden wir also volles Haus haben und den Geburtstag meines Mannes mit der Familie (inklusive Baby) feiern. Ich hatte gehofft, meine Anspannung würde wieder sinken. Das ist aber leider nicht der Fall.

Bei dem letzten Quartalsgespräch mit meiner Psychiaterin haben wir uns darauf geeinigt, ein neues Medikament (antipsychotisch, macht nicht abhängig) auszuprobieren, das mich im Bedarfsfall beruhigen soll. Im Moment geht es nicht ohne. Was die beste Dosierung ist, versuche ich gerade herauszufinden. Wenn ich nichts mehr fühle, aber auch nicht mehr aus dem Bett komme, ist auch nichts gewonnen.

Wenn es nach mir ginge, wäre morgen schon Sonntag, aber so funktioniert das Leben nicht. Außerdem sehe ich die Gefahr, dass ich nach der Anspannung der letzten Tage nach der Feier in ein Loch fallen könnte. 

Im Moment versuche ich, einfach weiter zu machen, aber es ist schwierig.

Steigende Spannung

Steigende Spannung

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Die Geburtstagsfeier meines Mannes am 2. März rückt immer näher, und ich fühle mich immer angespannter und werde immer unsicherer, ob ich dem gewachsen bin.

Ich versuche, mich abzulenken – für ein paar Stunden klappt das auch. Letzten Sonntag war ich mit einer Freundin bei einer Tierschutzveranstaltung für Listenhunde. Das Wetter war toll, es waren nette Menschen dort, ich verstehe unseren Sam ein Stück besser und wir haben beide einfach einen schönen Weibertag gehabt. Spontan haben wir beschlossen, dass ich sie und ihren Hund Samstag zum Hundetrainer begleite und die Trainingsstunde filme. Das wird bestimmt auch wieder schön. Zuhause sitzen und grübeln wird mir nicht helfen, soviel weiß ich.

Nächste Woche ist entsprechend viel zu tun. An seinem Geburtstag möchte mein Mann Kuchen für seine Kollegen mit zur Arbeit nehmen – die Jungs haben einen guten Appetit, also werde ich drei Kuchen backen. Am Abend seines Geburtstages gehen wir noch chinesisch essen, das ist dann unsere „Date night“ für Februar. An diesem Tag lasse ich die Ergotherapie ausfallen, es wird mir sonst einfach zu viel.

Der Rest der Woche wird mit Hausputz, Einkaufen, Ergotherapie und weiteren Vorbereitungen gut gefüllt sein. Ich hoffe, ausgelastet zu sein wird meine Angst in einem erträglichen Rahmen halten. Denn irgendwie muss ich die Zeit herumbringen und meine inneren Dämonen in Schach halten.

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