Leben und Tod…

Leben und Tod…

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…liegen an diesem Weihnachtsfest in meiner Familie sehr nah beieinander. Einerseits war da der Tod meines Onkels, andererseits das Treffen mit meinen Eltern und die Tatsache, dass Weihnachten der Geburt Christi gedacht wird. Meine Mutter war zwar etwas geknickt, aber es überwog die Erleichterung, dass der jahrelange Leidensweg ihres Bruders ein Ende gefunden hat. Wir haben trotzdem vor dem Essen Heiligabend ein Glas Prosecco auf die Lebenden und die Toten getrunken.

Das Verhältnis zur Familie meines Onkels war zeitweise kompliziert. Jahrelang gab es keinen Kontakt, und wir kennen die Gründe dafür bis heute nicht. Als wir ins Bett gingen, fühlte ich mich wieder wie damals. Ich war zu dieser Zeit ein Teenager, einerseits war ich gekränkt und verunsichert, zum anderen bekam ich mit, wie meine Mutter litt. Als es später wieder zu einer Wiederannäherung zwischen unseren Familien kam, wurde es für mich nie wieder wie vorher.

Am Morgen des ersten Weihnachtstages war mein Selbstmitleid vorbei, und ich dachte daran, wie sich meine Tante und meine Cousine fühlen müssen: Eine Frau hat den Mann verloren, mit dem sie über fünfzig Jahre verheiratet war… Eine Tochter muss zukünftig ohne ihren Vater weiterleben. DAS ist schlimm.

Ich bat meine Mutter um die Handynummer meiner Cousine, weil wir wissen, dass meine Tante sich momentan zurück gezogen hat.

Dann dachte ich zwei Stunden darüber nach, was ich schreiben soll (wenn ich etwas hasse, dann Platitüden). Irgendwann gab ich es auf und schrieb einfach, dass mir die Worte fehlen und wir an sie denken. Meine Cousine antwortete schnell, bedankte sich und sagte, sie würde uns die Einzelheiten zur Beerdigung mitteilen, sobald sie bekannt sind.

Und dann passierte etwas Merkwürdiges: Ich erinnerte mich an die vielen schönen Momente, die ich vor dem Kontaktabbruch in der Familie meines Onkels erlebt habe. Wie meine Cousine und ich zusammen an dem See nahe ihres Hauses gespielt haben, wie die Mutter meiner Tante uns vorgelesen hat, wie wir beide zusammen reiten gegangen sind. Und ich begann zu lächeln, es war eben nicht alles schlecht. Mein Groll verschwand, und ich fühlte mich ein Stück weit ausgesöhnt.

Mir graust allerdings vor der Beerdigung und den vielen Gefühlen, die damit verbunden sein werden, aber ich versuche, jetzt noch nicht so viel daran zu denken.

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Weihnachtswirrnis

Weihnachtswirrnis

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Weihnachten rückt immer näher, und ich fühle mich zunehmend unwohl. Ich bin wütend auf mich selber.

Einen Großteil dieses Jahres habe ich damit zugebracht, in Therapien das Thema Kinderlosigkeit zu bearbeiten, das durch die Schwangerschaft meiner Schwägerin wieder aufgekommen ist. Und trotzdem fühle ich mich immer noch nicht bereit dazu, Weihnachten die Familie meines Mannes zu besuchen.

Meine größte Angst ist, dass mich ein Schritt zu weit in ein emotionales Chaos stürzt und mich Monate meiner harten Arbeit kostet. Die Fachleute, mit denen ich gesprochen habe, sagen übereinstimmend, dass diese Gefahr real ist und ich vorsichtig sein soll.

Außerdem ist heute der 18. Todestag meiner Oma. Sie ist in dem gleichen Jahr an Krebs gestorben, in dem meine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Unser letztes Treffen, bei dem sie bereits sehr krank aussah, werde ich nie vergessen.

Als ich heute Vormittag mit meiner Mutter telefoniert habe, teilte sie mir mit, dass mein Onkel (ihr Bruder) gestern verstorben ist. Er war lange krank und seit dem Sommer ging es stetig bergab. Wir hatten kein sehr enges Verhältnis, und doch hat es mich getroffen. Ich bin vor allem froh, dass er in Frieden gehen konnte und bis zuletzt von seiner Frau und seiner Tochter geliebt und bestens versorgt wurde. Und ich bin erleichtert, dass meine Mutter im Moment ganz gut zurecht kommt: Sie ist natürlich traurig, aber sie ist froh, dass ihr Bruder nicht mehr leidet und dass sie zuletzt ein gutes Verhältnis hatten (das war nicht immer so).

Wir werden morgen trotzdem zusammenkommen und das Leben feiern.

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Der neue Alltag

Der neue Alltag

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Freitag habe ich damit angefangen, Termine zu vereinbaren. Zuerst habe ich befürchtet, dass ich dann sofort einen vollen Terminkalender habe. Aber zum einen sind Hausärztin, Schmerzärztin und Therapeut in Ferien, zum anderen hat sich eine Gruppe bei der Ergotherapie aufgelöst und Einzeltermine werden erst wieder ab November frei. Also bleibt mir noch Zeit zum Durchschnaufen.

Im Moment genieße ich den milden Herbst in vollen Zügen. Das schöne Wetter macht es mir leicht, meine neue Allzweckwaffe Spazierengehen einzusetzen. Bewegung hilft mir gegen Depressionen, Unruhe und Rückenschmerzen. Im Moment bin ich aber noch beschäftigt, Kondition aufzubauen. Ein Jahr fast ohne Bewegung hat Spuren hinterlassen.

Generell habe ich festgestellt, dass ich wesentlich mehr Antrieb habe als vor dem Klinikaufenthalt. Morgens Aufstehen klappt gut, und ich schaffe, was ich mir vornehme. Wenn ich zwischendurch eine Pause brauche, nehme ich mir eben die Zeit. Und ich treffe gute Entscheidungen, wieviel ich in an einem Tag schaffen kann.

Ein guter Anfang ist also gemacht. Jetzt muss ich so weitermachen, damit der neue Tagesablauf in Fleisch und Blut übergeht. Hoffentlich habe ich die nötige Selbstdisziplin dazu.

Morgen geht es dann zur Podologin und zur Entspannungsgruppe der Ergotherapie. Das sollte stressfrei sein, und dazwischen will ich noch eine Stunde Hausarbeit packen, mehr nicht.

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Mauern

Mauern

Heute habe ich mich in der Gestaltungstherapie vor einer Mauer stehend gemalt. Mit ausgebreiteten Armen versuche ich, die Mauer festzuhalten. Ich traue mich nicht, die Mauer loszulassen, aus Angst, dass sie dann umkippt und mich unter sich begräbt.

Die Mauer, das sind die vielen kleinen und großen Steine, die mir das Leben in den Weg gelegt hat. 

Therapeut: Wie kommen Sie denn zu dieser Mauer? Hat Sie jemand dort hingestellt, oder sind Sie einfach dorthin gegangen?

Ich: Da hat mich das Leben abgestellt. Freiwillig bin ich nicht dort!

Therapeut: *schmunzelnd* Das ist auch ganz gut so. 

Sich umdrehen und von der Mauer weggehen ist trotzdem schwer. Wenn nicht meine Aufgabe ist, die Mauer zu halten, was dann?

Das Leben geht weiter, Teil 2

Das Leben geht weiter, Teil 2

Ausnahmsweise geht alles etwas schneller im Moment. Heute hat das Krankenhaus angerufen, dass ich Donnerstag (am 16.8.) aufgenommen werden kann.

Nicht nur ich, auch alle um mich herum waren der Ansicht, dass das eine gute Sache ist.

Jetzt habe ich noch eine knappe Woche, alles in Ordnung zu bringen und zu packen. Das ist eine angemessene Zeit. Und im Packen bin ich geübt, leider.

Ich hatte diese Woche schon alle Ergotherapie-Termine abgesagt, weil ich Ruhe haben wollte. Nächste Woche werde ich auch nicht mehr hingehen, es ist genug zu tun.

Luchs

Luchs

Bei der Ergotherapie habe ich heute begonnen, einen Luchs mit Fensterfarben zu gestalten. 

In der Gesprächstherapie kam das Gespräch einmal darauf, welches Totemtier ich mir für mich vorstellen könnte, und ich habe mich spontan für den Luchs entschieden.

Angeblich hilft der Luchs als Totemtier dabei, Verborgenes aufzudecken und die Wahrheit zu finden.

Wenn das so ist, brauche ich in der Tat einen Luchs als Wegweiser 😄