Wobei Ergotherapie mir hilft – und wobei nicht

Wobei Ergotherapie mir hilft – und wobei nicht

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Nachdem die DSVGO jetzt endlich erledigt ist, komme ich vielleicht auch wieder zum Bloggen 😉

Über dreißig Stunden habe ich jetzt in der Ergotherapie hinter mir, alleine und in der Gruppe. Bei den Einzelstunden ist bei vierzig Stunden Schluss, die Gruppe kann länger fortgeführt werden.

Was Ergotherapie kann:

  • Sie hilft mir, Struktur in den Tag zu bringen. Ich nehme diese Termine ernst, keine Lust haben ist nicht Grund genug für eine Absage. Von mir aus habe ich nur einmal abgesagt, als ich das Hörgerät nicht tragen konnte.
  • Ab und an tut es mir gut, unter Menschen zu sein und zu einem anderen Grund als zum Einkaufen unter Leute zu gehen. Und ich habe eine wunderbare Therapeutin, die mir auch viele Dinge deutlich gemacht hat – eine großartige Ergänzung zur Gesprächstherapie. Ich habe auch sehr nette Menschen in der Gruppe kennengelernt.
  • Es ist schön zu sehen, wie Dinge entstehen. Mit Hausarbeiten werde ich nie fertig, aber in der Ergotherapie erschaffe ich etwas. Auch, wenn es mir am Ende nicht gefällt.

Was Ergotherapie nicht kann:

  • Eine dauernde Verbesserung meiner Depressionen hat sie nicht bewirkt. Aber meistens fühle ich mich zumindest für einige Stunden besser.
  • Den Schwung aus den Therapie schaffe ich nicht, mit in den Alltag zu nehmen. Dazu bin ich nach den Stunden zu erschöpft.

Diese Aufstellung hat natürlich keine allgemeine Gültigkeit und trifft nur auf mich zu. Aber die positiven Effekte der Ergotherapie sind unbestritten, und ich nehme, was ich kriegen kann.

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Ergotherapie, Teil 5

Ergotherapie, Teil 5

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Heute hatte ich die einunddreißigste Einzelergotherapiestunde. Meine Therapeutin hat vorgeschlagen, nach dem ganzen Kochen noch einmal etwas Gestalterisches zu versuchen, und wir haben uns auf ein Kissen mit Seidenmalerei geeinigt.

Sie hätte es gut gefunden, wenn ich „freestyle“ arbeiten würde, aber das kommt für mich nicht in Frage. Ich mache meine eigenen Vorlagen (die Bleistiftlinien auf dem Stoff oben), aber es ist mir wichtig, dass es eine Vorlage gibt. Wer wie ich ein ganzes Leben damit verbracht hat, bestimmte Grenzen einzuhalten, kann eben nicht einfach darauf verzichten 🙂

Sie hat mir davon abgeraten, die Kreise mit einem Zirkel vorzuzeichnen, weil das Löcher im Stoff hinterlässt. Ich habe es natürlich trotzdem einen Zirkel benutzt, und es hat den Stoff nicht wirklich kaputt gemacht. Ich bleibe eben sehr gerne bei dem, was sich für mich bewährt hat, und das Risiko schien mir in diesem Fall kalkulierbar.

Bleibt das Problem, dass es noch nichts aus der Ergotherapie zu mir nach Hause geschafft hat (das Essen natürlich schon, aber nichts selbst Gestaltetes). Ich habe auch heute gesagt, dass ich gerade kräftig ausmiste und daher nichts mitnehmen werde, was mir nicht gefällt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass mein Kissen ein Leben als Vorführobjekt in der Ergotherapiepraxis führen wird, wenn es mir nicht gefällt. Weggeworfen wird es auf keinen Fall.

Ich werde mein Bestes geben, etwas aus dem Kissen zu machen. Aber wenn es mir am Ende nicht gefällt, werde ich mich auch nicht damit belasten. Jetzt sind aber erst einmal zwei Wochen Pause, weil meine Therapeutin Urlaub hat.

Siehe auch
Ergotherapie, Teil 4
Ergotherapie, Teil 3
Ergotherapie, Teil 2
Ergotherapie, Teil 1

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Ergotherapie, Teil 4

Ergotherapie, Teil 4

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Wir haben heute endlich unser Bild fertig gestellt, an dem wir seit 12 Stunden gearbeitet haben – in wechselnder Besetzung, aber immer waren drei bis fünf Leute damit beschäftigt. Wie ich hier berichtet habe, war ja nicht immer eitel Sonnenschein bei uns, aber wir haben es zu Ende gebracht.

Am Ende waren wir von den vielen Details überrascht. Die Praktikantin meinte, das Ergebnis erinnert sie an ein Wimmelbild, wo auch so viele Kleinigkeiten versteckt sind.
Viele Kleinigkeiten erschließen sich erst bei genauem Hinsehen: Der Himmel wurde mit einer Schwammtechnik gestaltet, im Meeresboden wurde tatsächlich Sand verarbeitet, das Schiff hat Filzsegel und die Truhe ist wirklich aus Holz.

Außerdem fand die Praxisleitung das Bild so toll, dass es vielleicht öffentlich im Wartezimmer aufgehängt werden soll. Es ist jedenfalls ziemlich groß, ca. 1,20 m mal 1,00 m.

Wir waren jedenfalls heute auch sehr erleichtert. Die nächsten Stunden werden wir erst einmal Einzelprojekten widmen 😀

Siehe auch
Ergotherapie, Teil 3
Ergotherapie, Teil 2
Ergotherapie, Teil 1
Ergotherapie in der Gruppe

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Aus der Vergangenheit lernen, Teil 3

Aus der Vergangenheit lernen, Teil 3

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Ich habe mich dafür entschieden, meine Gefühle heute in der Ergotherapiegruppe anzusprechen. Es war gut, dass ich im Vorfeld meine Therapeutin – die auch die Gruppe leitet – informiert habe. Sie hat mir heute den Rücken gestärkt. Als ein Teilnehmer sagte, seiner Meinung nach gehöre so ein Thema nicht in die Gruppe, erwiderte sie, dass so etwas durchaus zur Sprache kommen darf.

Natürlich wurde ich darauf hingewiesen, dass ich auch selber nein sagen muss. Das ist mit Sicherheit das Wichtigste.

Meine bisherige Aufgabe, die ich auch nur gezwungenermaßen übernommen hatte, hat jetzt jemand anders übernommen. Das war eine Erleichterung.

Es ist eine sehr bittersüße Erfahrung. Ich kann nein sagen, aber früher damit anzufangen, wäre besser gewesen *hier abgrundtiefen Seufzer einfügen*. So ganz kann ich mich nicht freuen an diesem Fortschritt. Als Belohnung gab es einen leckeren Orangen-Erdbeer-Bananen-Smoothie, siehe oben. Der war immerhin lecker.

Heute werde ich dieses Gefühl wohl nicht mehr los, morgen will ich dann ein neues Kapitel aufschlagen.

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Aus der Vergangenheit lernen, Teil 2

Aus der Vergangenheit lernen, Teil 2

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Was in der Gruppe passiert ist, ging mir heute auch noch nach. Also habe in der Einzelergotherapie mit meiner Therapeutin (die auch die Gruppe leitet) nicht nur Linsensuppe gekocht, sondern auch noch mal darüber gesprochen. Sie bestätigte, dass ich immer wieder die Problemfälle bei unserem Projekt übernommen habe, nachdem sie von anderen Gruppenmitgliedern liegen gelassen oder mir übertragen worden waren. Also weiß ich, dass mein Gefühl richtig war, und das ist eine große Erleichterung.

Die Frage, wie ich jetzt damit umgehen soll, ist schon etwas schwieriger zu beantworten.

Plan 1: Ich gehe nicht mehr zur Gruppe und hänge die noch auf der Verordnung stehenden freien Stunden an meine Verordnung über Einzelstunden an. In gewisser Weise vielleicht ein feiger Weg aus der Situation – ohne weitere äußere Konsequenzen, aber vielleicht auch eine vergebene Chance, für ähnliche zukünftige Gelegenheiten zu üben.
Frage der Therapeutin: „Was meinen Sie, wie es ohne Sie in der Gruppe weitergehen würde?“
Ich: „Ach, die würden ein bisschen jammern, und es dann doch hinbekommen.“
Dem musste sie dann zustimmen.

Plan 2: Ich gehe weiter hin und tue als ob nichts gewesen wäre. Da sehe ich allerdings die Möglichkeit, dass ich vollkommen ausraste. Dass dabei die Leinwand oder ich Schaden nehmen, würde ich nicht ausschließen. Andere Menschen sehe ich dabei weniger in Gefahr, aber wenn es mich packt, kann in meinem Gehirn wirklich eine Kernschmelze ablaufen, in der ich mir quasi von außen zuschauen, aber mich nicht mehr kontrollieren kann. Ich habe der Therapeutin erklärt, dass ich das um jeden Preis vermeiden möchte.

Plan 3: Ich gehe weiter hin und spreche das Thema offen an. Wie das aufgenommen wird und was dann passiert, konnte die Therapeutin auch nicht sagen. Dann wäre ich es zumindest an der richtigen Stelle los geworden, was hilfreich sein könnte. Ob es danach eine Zukunft für mich in der Gruppe gibt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat die Therapeutin mir zugesichert, dass ich jederzeit aufstehen und den Raum verlassen kann. Es steht mir auch frei, auszusetzen – nur einmal, oder für die Dauer des Projektes.

Was es denn werden soll, bekomme ich im Moment noch nicht zu fassen. Ich werde das Thema erstmal über Ostern in Ruhe lassen und dann Montag oder Dienstag endgültig entscheiden. Gut ist, dass dieses Thema nicht meinen Rückzugsort hier, mein Zuhause betrifft.

Aber das Vertrauen in diese Menschen in der Gruppe habe ich auf jeden Fall verloren. Ich nehme auf jeden Fall mit, dass ich in Zukunft wachsamer werden und lernen muss, mich besser zu schützen.

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Aus der Vergangenheit lernen…

Aus der Vergangenheit lernen…

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… ist manchmal gar nicht so einfach! Keine Ahnung, warum manche Verhaltensmuster so tief sitzen.

Wenn jemand mir nur lange genug vorheult, wie viel Arbeit er doch hat, oder dass er keine Ahnung hat, wie er das anpacken soll, biete ich ganz sicher meine Hilfe an, egal, ob ich selber vielleicht auch etwas zu tun habe.

Weil sich auch in einer Gruppentherapie immer wieder das wahre Leben einschleicht, passierte mir das natürlich auch bei unserem gemeinsamen Projekt, an dem wir gerade arbeiten.

Beispiel 1: Wir arbeiten am Meeresboden (wir gestalten eine Meereslandschaft). Keiner weiß, wie wir die Spachtelmasse, die den Sand darstellen soll, auf die Leinwand bringen sollen. A. rührt alles zusammen, B. steht dabei und redet, ich mache Vorschläge, wie wir den Sand am besten einfärben. A. ist mit Mischen fertig, drückt mir die Schüssel in die Hand und sagt: „Das Auftragen machst du! Ich habe keine Ahnung, wie das geht.“
Egal, dass ich so etwas auch zum ersten Mal mache, ich ziehe mir den Schuh an und lege los. Dabei schwitze Blut und Wasser, weil ich das Gemeinschaftsprodukt nicht verderben will und fühle mich gestresst.

Beispiel 2: C. hat vorgeschlagen, dass eine Schatztruhe auf dem Meeresboden liegen soll. Er fängt auch damit an, zeichnet vor und sägt die geraden Linien aus. Als es um die runden Formen geht, sagt er, dass er keine Lust mehr hat und lässt es liegen.
Ich nehme die Sache in die Hand und finde das Aussägen der Feinheiten noch nicht einmal sonderlich schwierig. Aber währenddessen habe ich völlig den Faden an meiner Arbeit verloren.

Beispiel 3, heute: C. merkt an, dass er noch so viel zu erledigen hat, den Himmel und die Wellen und was noch. Bevor ich etwas sagen kann, greift die Therapeutin ein und sagt, dass er sich die Aufgaben selber ausgesucht hat. Wenn er nicht alles schafft, werden wir alle gemeinsam entscheiden, wer gerade nichts zu tun hat und Teile seiner Aufgaben übernimmt.

Da habe ich ja mal Glück gehabt. Aber mir ist aufgefallen, dass der Wahnsinn Methode hat. Und dass es immer schon so war, sei es auf der Arbeit, in der Familie, bei Freunden. Tja, wie sagt mein Therapeut: „Es muss ja nicht so bleiben, nur weil es immer so war!“

Aber es ist so schwer, das zu ändern. Was wird passieren, wenn ich zugebe, dass ich Grenzen habe und nicht alles schaffe? Werde ich dann weiterhin geliebt werden, oder werden sich alle mit Verachtung von mir abwenden? Mein inneres Kind liegt gerade schluchzend auf dem Boden, und ich stehe daneben und weiß nicht so richtig, wie ich es trösten kann…

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Therapieoptionen

Therapieoptionen

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Die letzten, sehr düsteren Wochen haben mich dazu gebracht, über weitere Therapieoptionen nachzudenken. Einfach abwarten bis es besser wird mag oft ausreichen, aber wenn die Seele nicht aufhört weh zu tun, müssen Alternativen her.

Zur Zeit habe ich alle zwei Wochen Gesprächstherapie (Verhaltenstherapie). Dazu kommen zwei Mal in der Woche Ergotherapie, Einzel und Gruppe. Nicht zu vergessen drei Psychopharmaka standardmäßig jeden Tag, und eines bei Bedarf. Trotzdem erreiche ich keinen Zustand, in dem ich sagen kann: So macht das Leben Spaß. Die Regel sind Überforderung, Rückzug und vor allem Selbsthass. Auch mein Körper zeigt mir, wie es um mich steht: Die Schmerzen im Rücken nerven mehr, und die Gangunsicherheit nimmt zu – gestern Abend und heute Vormittag bin ich gestürzt.

Meine Gesprächstherapie wird demnächst auslaufen, wir haben die Anzahl Stunden, die die Krankenkasse übernimmt, ausgeschöpft. Begonnen haben wir im Herbst 2015, und ich kann sagen, dass es keine verschwendete Stunde gab. Wenn ich mich jetzt immer noch schlecht fühle, liegt es nicht an der schlechten Qualität der Therapie, sondern an der Anzahl von Problemen, die ich mitbringe. Und vielleicht hat meine Schmerzärztin recht, sie geht davon aus, dass da noch etwas ist, was ich mich noch nicht anzupacken getraut habe.

Was kann ich also tun?

Das örtliche Krankenhaus bietet stationäre und teilstationäre (Tagesklinik) Therapien an. Mein letzter stationärer Aufenthalt war im Oktober letzten Jahres, und irgendwie konnte ich das Gelernte nicht mitnehmen. Kaum wieder zu Hause, fiel ich wieder in das nächste Loch. Die Tagesklinik habe ich noch nicht ausprobiert. Als deren größten Vorteil würde ich sehen, dass ich abends und nachts Zuhause verbringen kann. Der Nachteil: Vermehrte Belastung durch Therapien von morgens bis nachmittags und Hausarbeit am Abend.

Ein weiterer stationärer Aufenthalt würde wieder eine schmerzliche Trennung von meinem Rudel mit sich bringen. Die Erfolgsaussichten schätze ich nach dem letzten Fiasko eher als gering sein – es ist, als ob meine psychischen Erkrankungen gegen das Behandlungskonzept in diesem Krankenhaus immun geworden sind und uns allen hämisch ins Gesicht lachen.

Favorit meiner Schmerzärztin ist der stationäre Aufenthalt in einer Klinik, die sich auf psychosomatische Probleme spezialisiert hat. Das wäre in Köln, zu weit für eine Behandlung in der Tagesklinik, aber Besuche zuhause am Wochenende bei einer stationären Therapie wären möglich. Als Nachteil sehe ich vor allem (neben der Trennung von meinem Rudel) die lange Behandlungsdauer – mir wurden acht bis zwölf Wochen genannt. Und eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nie.

Generell stelle ich mir die Frage, woher ich die Kraft für eine (teil)stationäre Therapie nehmen soll. Ich kenne mich ja nun ein bisschen aus, und ich weiß, dass so etwas sehr intensiv ist und viel aktive Mitarbeit verlangt.

Und da ist dann noch diese Stimme, die mir sagt: „Es ist zu spät, dir ist sowieso nicht mehr zu helfen!“ Alle sagen, diese Stimme hat unrecht, aber sie kann verdammt überzeugend sein.

Manchmal ist es einfach doof, in meiner Haut zu stecken. Ein Teil von mir ist erwachsen und rät mir, eine Entscheidung zu treffen (es gibt ja auch überall Wartezeiten) und dann das Beste aus den Therapien herauszuholen. Der andere Teil sitzt zusammengekauert in der Ecke, hält sich bei geschlossenen Augen die Ohren zu und hofft, dass der Sturm einfach nur vorbei zieht.

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