Der Dämon Selbsthass

Der Dämon Selbsthass

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Während mir draußen zahlreiche Dämonen folgen, ist es im Haus nur ein einziger, aber der ist besonders schlimm: Selbsthass.

Er ist besonders hartnäckig, und er weiß genau, wie er mich am besten quälen kann. Er folgt mir den ganzen Tag, oft auch nachts.

Heute in der Therapie haben wir eine Visualisierung versucht. Ich sollte mir den Dämon vorstellen und mit ihm reden. Neu war die Erkenntnis, dass es auch Dinge gibt, die mir an ihm gefallen. Zum Beispiel, dass er nach ganz klaren Regeln spielt. Aber ich finde auch, dass er mich zu hart verurteilt. Schließlich war mein Leben nicht immer so wie heute, und ich habe mich trotz aller meiner physischen und psychischen Probleme lange in der „normalen“ Welt behauptet.

Ich sollte den Dämon dann ein Stück von mir wegschieben, und am Ende der Stunde war er auch nicht mehr schwarz, sondern eher grau.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass ich noch genug unter diesem Dämon zu leiden haben. Aber vielleicht habe ich doch ein gewisses Mitspracherecht!

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Ehrlich währt eben doch am längsten

Ehrlich währt eben doch am längsten

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Eine der wichtigsten Lektionen aus meiner Therapie ist Ehrlichkeit. Mir selbst und anderen gegenüber.

Um mir und anderen das Leben leichter zu machen, habe ich in der Vergangenheit häufiger zu Notlügen gegriffen. Wenn es also zum Beispiel hieß „Und dann machen wir irgendwann mal xxx“ war meine Antwort oft „ja, ja“.

Manchmal bin ich damit durchgekommen, manchmal aber auch nicht. Und dann war es sehr schwer, aus der Nummer wieder herauszukommen. „Du hast doch gesagt, du bist dabei?!“ Enttäuschung und unschöne Momente waren da vorprogrammiert. Nicht zu vergessen das ungute Gefühl die ganze Zeit in meinem Hinterkopf, dass da irgendwann vielleicht noch mal etwas auf mich zukommen wird.

Ehrlichkeit schützt nicht vor Enttäuschung und unschönen Momenten, aber die Atmosphäre wird nicht vergiftet. Außerdem zeigt ehrlicher Umgang, dass ich den anderen – und mich selbst- ernst nehme.

Neulich gab es ein konkretes Beispiel, und ich bin zufrieden damit, wie ich die Situation gehandhabt habe. Weihnachten wurde in meiner angeheirateten Familie vorgeschlagen, statt Geschenken zusammen wegzufahren. Ich habe sofort darauf hingewiesen, dass ich in meiner gegenwärtigen Situation nicht so weit voraus plane, und dass es sein kann, dass ich nicht mitfahre. Als die Planungen jetzt konkret wurden, habe ich mich sofort abgemeldet und Tatsachen geschaffen.

Meine Schwiegermutter ist etwas angepisst, sie hat gerne die ganze Familie um sich. Damit kann ich leben. Mein Mann versteht meine Gründe, ist aber traurig, dass ich nicht mitfahre. Das ist schlimm für mich.

Aber wenn ich eines gelernt habe, dann das: Ich bin für mein Wohlergehen selbst verantwortlich, und wenn ich mich überfordere, ist niemandem geholfen.

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Therapieoptionen

Therapieoptionen

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Die letzten, sehr düsteren Wochen haben mich dazu gebracht, über weitere Therapieoptionen nachzudenken. Einfach abwarten bis es besser wird mag oft ausreichen, aber wenn die Seele nicht aufhört weh zu tun, müssen Alternativen her.

Zur Zeit habe ich alle zwei Wochen Gesprächstherapie (Verhaltenstherapie). Dazu kommen zwei Mal in der Woche Ergotherapie, Einzel und Gruppe. Nicht zu vergessen drei Psychopharmaka standardmäßig jeden Tag, und eines bei Bedarf. Trotzdem erreiche ich keinen Zustand, in dem ich sagen kann: So macht das Leben Spaß. Die Regel sind Überforderung, Rückzug und vor allem Selbsthass. Auch mein Körper zeigt mir, wie es um mich steht: Die Schmerzen im Rücken nerven mehr, und die Gangunsicherheit nimmt zu – gestern Abend und heute Vormittag bin ich gestürzt.

Meine Gesprächstherapie wird demnächst auslaufen, wir haben die Anzahl Stunden, die die Krankenkasse übernimmt, ausgeschöpft. Begonnen haben wir im Herbst 2015, und ich kann sagen, dass es keine verschwendete Stunde gab. Wenn ich mich jetzt immer noch schlecht fühle, liegt es nicht an der schlechten Qualität der Therapie, sondern an der Anzahl von Problemen, die ich mitbringe. Und vielleicht hat meine Schmerzärztin recht, sie geht davon aus, dass da noch etwas ist, was ich mich noch nicht anzupacken getraut habe.

Was kann ich also tun?

Das örtliche Krankenhaus bietet stationäre und teilstationäre (Tagesklinik) Therapien an. Mein letzter stationärer Aufenthalt war im Oktober letzten Jahres, und irgendwie konnte ich das Gelernte nicht mitnehmen. Kaum wieder zu Hause, fiel ich wieder in das nächste Loch. Die Tagesklinik habe ich noch nicht ausprobiert. Als deren größten Vorteil würde ich sehen, dass ich abends und nachts Zuhause verbringen kann. Der Nachteil: Vermehrte Belastung durch Therapien von morgens bis nachmittags und Hausarbeit am Abend.

Ein weiterer stationärer Aufenthalt würde wieder eine schmerzliche Trennung von meinem Rudel mit sich bringen. Die Erfolgsaussichten schätze ich nach dem letzten Fiasko eher als gering sein – es ist, als ob meine psychischen Erkrankungen gegen das Behandlungskonzept in diesem Krankenhaus immun geworden sind und uns allen hämisch ins Gesicht lachen.

Favorit meiner Schmerzärztin ist der stationäre Aufenthalt in einer Klinik, die sich auf psychosomatische Probleme spezialisiert hat. Das wäre in Köln, zu weit für eine Behandlung in der Tagesklinik, aber Besuche zuhause am Wochenende bei einer stationären Therapie wären möglich. Als Nachteil sehe ich vor allem (neben der Trennung von meinem Rudel) die lange Behandlungsdauer – mir wurden acht bis zwölf Wochen genannt. Und eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nie.

Generell stelle ich mir die Frage, woher ich die Kraft für eine (teil)stationäre Therapie nehmen soll. Ich kenne mich ja nun ein bisschen aus, und ich weiß, dass so etwas sehr intensiv ist und viel aktive Mitarbeit verlangt.

Und da ist dann noch diese Stimme, die mir sagt: „Es ist zu spät, dir ist sowieso nicht mehr zu helfen!“ Alle sagen, diese Stimme hat unrecht, aber sie kann verdammt überzeugend sein.

Manchmal ist es einfach doof, in meiner Haut zu stecken. Ein Teil von mir ist erwachsen und rät mir, eine Entscheidung zu treffen (es gibt ja auch überall Wartezeiten) und dann das Beste aus den Therapien herauszuholen. Der andere Teil sitzt zusammengekauert in der Ecke, hält sich bei geschlossenen Augen die Ohren zu und hofft, dass der Sturm einfach nur vorbei zieht.

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Spaziergang mit Dämonen

Spaziergang mit Dämonen

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Bei meinem letzten Therapiegespräch erzählte ich davon, wie sehr ich im Moment mit mir selber ringe, und wie schwer es mir in der letzten Zeit gefallen ist, nicht in selbstzerstörische Verhaltensweisen zurückzufallen.

„Es ist, als ob auf meiner Schulter ein Teufelchen sitzt, das mir pausenlos negative Gedanken einredet, und ich kann es weder überhören noch noch zum Schweigen bringen“, sagte ich.

„Aber das hat Sie nicht davon abgehalten, das Richtige zu tun!“ sagte mein Therapeut und machte einen Exkurs in den Buddhismus. Danach kämpft jeder Mensch mit Dämonen, aber die einzige Möglichkeit, wirklich mit ihnen zurecht zu kommen besteht darin, den Dämonen ein Stück von sich selber zu geben – sie also zu „füttern“.

„Dann ist der Dämon satt und zufrieden, und der Mensch hat seine Ruhe – sozusagen?“ fragte ich.

„Zumindest für den Moment. Jeder Mensch hat viele Dämonen, mit denen er sich auseinandersetzen muss“, meinte mein Therapeut.

„Ha! Ich habe so viele, dass sie bei mir Schlange stehen!“ entgegnete ich. In meinem Kopf entstand ein Bild: Ich gehe die Fußgängerzone entlang, und hinter mir  Dämonen in schwarzen Kutten. Die Dämonen sind ungeduldig und schubsen sich gegenseitig: „Hey! Ich bin dran!“ – „Nein, jetzt bin ich an der Reihe!“ Und der Dämon, der auf meiner rechten Schulter sitzt, dreht sich um und zischt: „Kann ich bitte in Ruhe weitermachen?!“

Das brachte mich zum Schmunzeln, und alles war für eine kurze Zeit nicht mehr so schlimm. Humor ist und bleibt eine der besten Waffen im Kampf gegen Depressionen 🙂

Mein Therapeut hat mich gebeten, dieses Bild, was ich im Kopf hatte, zu malen. Habe ich gemacht, das Ergebnis ist oben zu sehen. Ich erhebe keine künstlerischen Ansprüche, aber es war ein netter Zeitvertreib.

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