Tierausstellungen damals und heute

Tierausstellungen damals und heute

In der 1980ern habe ich einmal eine Katzenausstellung besucht. Obwohl ich damals noch ein Kind  war, merkte ich, dass es den Tieren nicht gut ging. Die Käfige standen teilweise übereinander, und es gab keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Katzen. Viele Tiere wirkten gestresst und waren unruhig. 

Entsprechend skeptisch war ich vor unserem heutigen Besuch in Dortmund.

Wie die Bilder oben zeigen, hat sich zum Glück einiges geändert. Jeder Käfig war mit Hängematten oder Häusern ausgestattet. Jeder Käfig hatte einen Sichtschutz zu den Nebenkäfigen. Jeder Käfig war mit Katzentoilette, Futter und Wasser versorgt. Die meisten Katzen machten, was sie wahrscheinlich sowieso getan hätten: Herumliegen und Schlafen.

Wir haben auch einen Blick auf die Hundeausstellung geworfen, wo Rassehunde beurteilt wurden. Auch hier wurden größtenteils entspannte Tiere vorgestellt. Die meisten hatten geräumige Käfige als Rückzugsorte dabei.

Es war auch erlaubt, Hunde mitzubringen. Wir haben darauf verzichtet, weil wir davon ausgehen, dass es für Sam immer noch zu viel Stress ist. Auch hier galt: Die meisten Halter hatten ihre Hunde richtig eingeschätzt, und die meisten Vierbeiner waren ziemlich entspannt. Es waren Flächen eingerichtet, an denen die Hunde sich erleichtern konnten, und Tierärzte waren auch vor Ort.

Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass die Tiere heute besser behandelt werden als früher und viel mehr auf ihr Wohlergehen geachtet wird. Wenn es so ist, stimmt die Richrung.

 

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Drei Jahre Janet

Drei Jahre Janet


Gestern waren wir mit Janet beim Tierarzt, um die jährlichen Impfungen auffrischen zu lassen. Seit gut drei Jahren lebt sie nun schon bei uns. Der Impfpass erzählt eigentlich ihr ganzes Leben. Leere, was die ersten Lebensjahre betrifft. Dann Einträge von 2013, noch aus Rumänien. Erwähnt werden hier auch Behandlungen gegen Zecken und Würmer, wahrscheinlich war sie in keinem guten Zustand. Ein Stück ihrer Zunge fehlt, ein kleines Stück Knochen links an der Schnauze ist eingedrückt – es muss ein hartes Leben gewesen sein.

Aber – und das bewundere ich am meisten an ihr – sie weiß genau, dass sie jetzt ein besseres Leben hat und die schlimmen Zeiten vorbei sind. Als wir gestern das Wartezimmer betreten haben, wedelte sie fröhlich mit ihrer Rute. Sie geht davon aus, dass ihre Menschen sie nicht wissentlich in schlechte Situationen bringen und fühlt sich sicher bei uns. Was früher war, spielt keine Rolle mehr. Davon kann ich mir wirklich eine Scheibe abschneiden, wenn schlechte Bilder aus meiner Vergangenheit wieder mal in Endlosschleife durch meinen Kopf geistern.

Am Anfang musste sie natürlich erst lernen, dass sie es bei uns gut hat. Mich überrascht immer noch, wie ausgeprägt ihr Vertrauen in uns heute ist. Vor allem weil wir wissen, dass sie in ihrer ersten Zeit im Tierheim gar keinen Menschen an sich herangelassen hat. Sie war geschätzte fünf Jahre alt, als sie uns kennenlernte, und hat noch mal komplett umgedacht. Auch daran kann ich mir nur ein Beispiel nehmen, ich bin sehr schlecht darin, frühere schlechte Erfahrungen durch neue, positive zu ersetzen.

Viele Menschen begegnen ihr mit Vorbehalten, weil sie ein schwarzes Fell hat. Dabei ist sie so ein freundliches und ausgeglichenes Tier. Ganz selten knurrt oder bellt sie. Ihre Welt ist überwiegend schön, wohl auch, weil sie ihr positiv begegnet. Siehe oben, ich kann davor nur den Hut ziehen und von ihr lernen.

Wer sagt „Es ist nur ein Tier!“ übersieht wahrscheinlich, wie viel sie uns über das Leben beibringen können. Ich bin unseren Vierbeinern sehr dankbar, sie erinnern mich immer wieder an eines: Jeden Moment nehmen, wie er ist, ohne sich dauernd über Vergangenheit und Zukunft zu sorgen. Ich mag eine sehr schlechte Schülerin sein, aber sie geben nicht auf und zeigen mir an jedem neuen Tag, wie es geht. Dafür kann ich ihnen nicht genug danken.

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Ein Weihnachten zum Vergessen

Ein Weihnachten zum Vergessen

Dieses Jahr war Weihnachten so weit von besinnlich entfernt wie lange nicht mehr. Heiligabend hatten wir Besuch von meinen Eltern. Sam war zuerst unruhig und hat gebellt, aber das kennen wir von ihm. Erfahrungsgemäß beruhigt er sich nach einigen Minuten wieder, und so schien es auch diesmal wieder zu sein. 

Als wir dachten, alles ist in Ordnung, sprang er aus heiterem Himmel meine Mutter an, die aufgestanden war und hinter mir her zur Küche ging. Auch 23 Kilo können jemand aus dem Gleichgewicht bringen, der nicht damit rechnet. Sie stolperte gegen den Türrahmen und schlug sich den Ellbogen auf. Gestern habe ich erfahren, dass meine Mutter heute deswegen zum Arzt gehen will, und sie ist niemand, der das wegen jeder Kleinigkeit tut. 

In mir ist damit ein Fass übergelaufen, das sich seit Sams Ankunft mit jedem Zwischenfall langsam gefüllt hat. Jedes Mal, wenn ich ihn in ein anderes Zimmer sperren muss, weil er sonst auf Postboten, Nachbarn, Freunde oder Verwandte los gegangen wäre – ein Tropfen. Jedes Mal, wenn er beim Spazierengehen hektisch an der Leine zieht, sodass an Entspannung nicht zu denken ist und ich mit dem Rollator kaum folgen kann – ein Tropfen. Jedes Mal einen wild bellenden Sam vom Fenster wegholen, wenn ein Auto oder ein Mensch am Haus vorbei geht – ein Tropfen. Jedes Mal Radfahrer oder Jogger attackieren – ein Tropfen. Mir ist egal, dass Sam bei uns sanft, verspielt und verkuschelt ist. Mir ist egal, dass mein Mann den Vorfall auf seine Kappe nimmt und sagt, dass es seine Schuld ist und er nicht aufgepasst hat. Mir ist egal, dass immer gesagt wird, wir wären Sams letzte Chance. So etwas darf nicht passieren und ich bin total entmutigt und ratlos, was weiter werden soll.

Am ersten Weihnachtstag sind wir zur Schwester meines Mannes gefahren, die ein gutes Stück entfernt lebt. Uns wurde als Weihnachtsgeschenk präsentiert, dass sie schwanger ist. Rumms. Wir sind ungewollt kinderlos, das hat alle alten Wunden wieder aufgerissen. Schneller Ruckzug unmöglich, wegen des langen Weges war eine Übernachtung dort vorgesehen. Ich war die ganze Zeit wegen Sam und den Ereignissen vom Vortag zusätzlich angespannt und hatte Angst, dass etwas Ähnliches noch einmal passieren könnte. Das Gästebett war eine Zumutung für uns beide und unglaublich hart. Morgens um halb sechs wollten wir dann still und heimlich nach Hause fahren. Das Auto hatte andere Pläne und sprang nicht an, leere Batterie. Also alle wach geklingelt und wieder zurück ins Haus. Für mich war die Nacht gelaufen, mein Mann fand noch ein paar Stunden Schlaf. Um neun hat mein Schwager uns dann Starthilfe gegeben und wir fuhren endlich wieder nach Hause.

Ab heute herrscht bei uns bis Silvester beruhigender Alltag, auch weil mein Mann arbeiten geht. Ich muss jetzt erst mal wieder mein Nervenkostüm in den Griff bekommen.