Mit dem Rollator im Bus

Mit dem Rollator im Bus

Es war schön, vor dem Termin beim Podologen in aller Ruhe einen Milchkaffee zu trinken und dabei eine Dankeskarte an meine Tante zu schreiben. Weniger schön ist, was sich vorher oder nachher im Bus ereignen kann. 

Ernsthaft: Einen Rollator, vor allem wenn er mit Einkäufen beladen ist, sollte man im Auge behalten, der kann eine ganz schöne Eigendynamik entwickeln und wegrollen oder umkippen.

Dumm nur, dass ich neulich an ein älteres Ehepaar geriet, das meiner Bitte, sich bitte woanders hinzusetzen damit ich bei meinem Rollator bleiben kann, nur sehr widerstrebend und meckernd nachkam.

*irony on* Ja Leute, ich mache sowas nur, um euch zu ärgern *irony off*.

Ich setzte mich durch und blieb bei meinem Rollator. Eine andere ältere Dame passte nicht so gut auf ihren Rollator auf, und bei einer der zahlreichen Kurven passierte, was passieren musste: Ihr Rollator kippte um und schlitterte durch den halben Bus.

Ich sagte in Richtung des älteren Ehepaares: „Sehen Sie? Das kann passieren!“

Reaktion: Starr geradeaus sehen nach dem Motto, das habe ich jetzt nicht gesehen.

Ich versuchte dann so gut es in voller Fahrt ging, der anderen Rollatorfahrerin zu helfen. Etwas schwierig, ich hatte nur eine Hand  frei, weil ich mich mit der anderen festhalten musste. Aber wir schafften es. 

Früher waren im Bus spezielle Sitzplätze für Behinderte ausgewiesen. Das ist irgendwann weggefallen, und oft muss ich diskutieren, wenn ich einen bestimmten Sitzplatz haben möchte. Klassischer Fall von behindert werden. Dass jemand freiwillig für ältere oder Behinderte aufsteht, erlebe ich sowieso nur noch ganz selten.

Auch beim Busfahren ist sich anscheinend jeder selbst der Nächste, und wer einen Sitzplatz ergattert, hatte einfach die spitzeren Ellbogen. Sinnbild unserer Gesellschaft.

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Ein neuer Rollator…

Ein neuer Rollator…

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… musste her, nachdem der alte wortwörtlich begann auseinander zu fallen. Als ich am Freitag das Sanitätshaus anrief, wurde mir ein Austausch für heute zugesichert. Vorsichtshalber hatte ich mein Hörgerät schon seit sieben Uhr im Ohr und mein Handy und Haustelefon in Griffweite.

Um zehn nach elf rief ein gehetzter Außendienstler an und fragte, ob es in Ordnung ist, wenn er in der nächsten Stunde vorbeikommt. Ich sagte zu.

Eine halbe Stunde später klingelte es und ich ging mit dem alten Rollator zur Türe. Der Außendienstler warf einen Blick auf das Teil und sagte. „Jo. Is‘ hinüber.“

Ich: „Ja, er hatte ein hartes Leben bei mir.“

Er: „Jo. Unterschreiben Sie bitte hier.“

Ich unterschrieb also auf dem Lieferschein, er schob mir den neuen Rollator hin und verschwand. Ohne auch nur ein paar Hinweise zur Handhabung oder Einstellung zu geben.

Zum Glück wusste ich mir zu helfen und kannte meine Einstellungen. Mit einem Zollstock war das Einstellen der Griffhöhe schnell erledigt. Ich frage mich nur, was ein allein stehender älterer Mensch in so einer Situation macht. Alleine das Anziehen der Schrauben, mit denen die Handgriffe festgehalten werden, braucht nicht gerade wenig Kraft. In der Gebrauchsanweisung steht, dass die korrekte Einstellung durch Therapeuten oder Ärzte vorgenommen werden soll. Trotzdem sehe ich sehr viele Menschen, bei den offensichtlich ist, dass der Rollator falsch eingestellt ist und kein Hilfsmittel, sondern eher eine zusätzliche Belastung ist.

Dazu mag beitragen, dass Rollatoren nicht rezeptpflichtig und mittlerweile sogar beim Discounter erhältlich sind. Natürlich ist es gut, wenn Hilfsmittel erschwinglich sind, aber wenn sich dadurch negative Folgen wie zum Beispiel eine Fehlhaltung ergeben, sehe ich den Nutzen kritisch. Informationen sammeln und Beratung sind auch bei der Anschaffung eines so vermeintlich harmlosen Hilfsmittel unumgänglich. Dass es sich hierbei um keinen so umfangreichen Prozess wie bei der Anpassung eines Hörgerätes handeln wird, ist klar.

Wenn die Entscheidung für einen Rollator mit oder ohne Rezept ansteht, ist noch ein weiterer Punkt zu bedenken, nämlich Reparaturen und Ersatzteile. Ein auf Rezept verordneter und vom Sanitätshaus gelieferter Rollator wird fertig montiert geliefert und gegebenenfalls vom Sanitätshaus repariert. Ein in Eigenregie angeschafftes Hilfsmittel muss auf eigene Kosten aufgebaut und instand gehalten werden, und der Besitzer muss sich selber um die Beschaffung der Verschleißteile kümmern. Zu bedenken ist auch die Eigentumsfrage, ein auf Rezept über ein Sanitätshaus bezogener Rollator bleibt Eigentum des Sanitätshauses. Über ein selbst angeschafftes Hilfsmittel kann der Käufer frei verfügen.

Was die Qualität verschiedener Modelle angeht, kann ich keine Aussage treffen. Ich habe mich für die preisgünstigste Ausführung entschieden, die das Sanitätshaus anbietet. Das hohe Gewicht und der mangelnde Komfort stören mich nicht. Robust muss es sein, denn ich bin kein typischer älterer Mensch, der mehr kurze Strecken zurück legt. Bei mir geht es auch schon mal ein paar Kilometer weit, manchmal auch über rauheres Gelände und bei jedem Wetter. Mein vorheriges Modell hat fast eineinhalb Jahre durchgehalten, mal sehen, was die neue Ausführung kann.

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