Ehre, wem Ehre gebührt

Ehre, wem Ehre gebührt

Heute bin ich der Ärztin über den Weg gelaufen, die mich während der ersten Wochen hier auf Station betreut hat – die Stationsärztin hatte damals Urlaub. Im Nachhinein war das eine glückliche Fügung, denn diese Ärztin ist auf Schmerztherapie spezialisiert und hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich von den Opiaten wegkommen muss. Einerseits war mir das schon selber klar, aber ich hatte Angst, dass die Schmerzen unerträglich werden.

Ich sprach sie also an und bedankte mich dafür, dass sie diesen großen Ball bei mir ins Rollen gebracht hat. Sie erkundigte sich nach dem aktuellen Stand und war sehr erfreut, dass ich die Opiate fast vollständig ausgeschlichen habe und plane, ab Montag völlig ohne zurecht zu kommen. Sie fragte, welche Schmerzmittel ich aktuell nehme und fand die Lösung, die wir hier gefunden haben, sehr gut.

Ich sagte, dass ich mich so sehr gut fühle, und sie lächelte und sagte: „Sehen Sie? Und am Anfang hatten Sie solche Angst.“

Und ob ich das hatte! Angst, die Opiate weiter zu nehmen. Angst davor, sie nicht weiter zu nehmen. Angst vor einem Leben ohne Lebensfreude wegen großer Schmerzen.

Ich bin sehr froh, dass sich das alles nicht bewahrheitet hat. Es war nicht immer einfach, von den Opiaten wegzukommen, aber es war möglich.

Es war mir einfach ein Herzensbedürfnis, dieser Ärztin zu danken. Manchmal brauche ich einfach einen Tritt in die Kehrseite, aber sie hat auch meine Ängste und Befürchtungen ernst genommen. Sie hat nie von oben herab, sondern immer von Mensch zu Mensch mit mir gesprochen. Und der Umgang mit Schmerzpatienten ist sicherlich schwierig.

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Kleine Ziele

Kleine Ziele

Neulich hatte ich mein Quartalsgespräch bei der Schmerzärztin. Die Medikation bleibt wie bisher, das war schnell klar. Das Besondere an dieser Ärztin ist, dass wir uns jedesmal auf eine Aufgabe einigen, die ich bis zum nächsten Mal erledigen soll. Meistens hat es mit Bewegung zu tun. So auch diesmal, ich soll zu einem Lokal im Wald wandern.

Das wird auf jeden Fall bittersüß werden. Die Landschaft ist wunderschön, aber das ist auch ganz in der Nähe meiner letzten Arbeitsstelle, und da hängen viele schlimme Erinnerungen dran.

Nie vergessen werde ich wohl die Begründung meines letzten Chefs, warum er mich nicht unbefristet einstellt: „Schwerbehinderte stelle ich nicht unbefristet ein, die bekomme ich nie wieder raus.“

Zu diesem Zeitpunkt kannte er mich ein Jahr, und ich hatte die wenigsten Krankheitstage in der gesamten Abteilung. Ich hätte gedacht, er kennt mich besser. Und nicht alles an mir ist behindert! Es tat schon weh, das ins Gesicht gesagt zu bekommen. Etwas ist mit Sicherheit damals in mir kaputt gegangen.

Schmerztherapie, Teil 2

Schmerztherapie, Teil 2

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Wenn sich nichts Grundlegendes ändert, finden die Termine in der Schmerzambulanz alle drei Monate statt. Am Anfang wird der Patient gebeten, auf einem Tablet-PC Fragen zu den Schmerzen zu beantworten. Wie schätzt der Patient die Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 selber ein? Ist es ein dauerhafter Schmerz, oder gibt es Schmerzspitzen? Wie sehr werden Schlaf und Alltag vom Schmerz beeinträchtigt? Danach findet dann das eigentliche Arztgespräch statt. Durch das vorherige Beantworten der wichtigen Fragen im Vorfeld, kann das Gespräch abgekürzt werden.

Eigentlich wollte ich ja von den Fentanylpflastern wieder auf weniger starke Medikamente umsteigen. Meine Ärztin hat mir davon abgeraten, sie hat natürlich mit einem Blick erfasst, dass ich etwas durcheinander bin im Moment. Ihr Ratschlag ist, mit einer Umstellung der Medikamente zu warten, bis ich wieder stabiler bin und auch etwaige Absetzprobleme besser verkrafte. Ich soll aber dringend über einen Aufenthalt in einer psychosomatischen/tagesklinischen/stationären Klinik nachdenken und die Sache in Ordnung bringen, die mir anscheinend doch noch auf der Seele liegt.

In jedem Fall habe ich die Praxis wieder mit dem Gefühl verlassen, dort ein gutes Team gefunden zu haben. Ich hatte den Eindruck, dass mein Wohlergehen an erster Stelle steht, und dass auch die Seele berücksichtigt wird – meiner Erfahrung nach ist das nicht die Norm im Gesundheitssystem.

Wenn sich jetzt auch noch die anderen Probleme in Luft auflösen könnten…? Das passiert natürlich nicht. Während die Nebenwirkungen von Milnacipran allmählich nachlassen (zwei Stürze wegen dem Schwindel müssen reichen), warte ich immer noch auf die positiven Effekte.

Morgen ist jedenfalls erstmal Wellness angesagt, da geht es zum Friseur.

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Schmerztherapie, Teil 1

Schmerztherapie, Teil 1

Auf zwei der Blogs, denen ich folge, ging es heute um das Thema Schmerzen. Ich bin selber Schmerzpatientin, weil mein Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule mir einiges an Jahren voraus hat – ich rede von Arthrose.

Schmerzen sind etwas, was jeder anders erlebt. Deswegen wird ein Arzt seinen Patienten darum bitten, die Intensität des Schmerzes von 0 (kein Schmerz) bis 10 (Schmerz nicht mehr auszuhalten) selber zu bewerten. Wie stark Schmerzen empfunden werden, hängt auch vom Allgemeinbefinden ab – wenn wir gut drauf sind, stecken wir auch Schmerzen besser weg.

Ein akuter Schmerz durch beispielsweise eine Verletzung muss ganz anders behandelt werden als ein chronischer Schmerz. Meine Erfahrung ist, dass es schwierig ist, einen Arzt zu finden, der sich mit lang anhaltenden Schmerzen und allem was sie mit sich bringen, auskennt. Mit meinem Rücken war es lange ein ziemliches Stückwerk, mal sechs Einheiten Physiotherapie und OP-Vorschlag vom Orthopäden hier, mal Tilidintabletten von der Hausärztin da, aber keine Linie. Irgendwann stieß ich bei meinen Recherchen darauf, dass es Schmerztherapie gibt. Mein Orthopäde nannte mir ein Krankenhaus, allerdings wurde mir bei meinem Anruf mitgeteilt, dass dort keine Schmerztherapie für ambulante Patienten mehr durchgeführt wird. Immerhin bekam ich noch die Information, welche Krankenhäuser im Umkreis eine Schmerzsprechstunde anbieten. GANZE ZWEI. Ich nahm also Kontakt zur nächsten Klinik auf (Entfernung ca. 28 km). Bevor ich einen Termin beim Arzt bekam, musste ich zuerst einen Schmerzfragebogen ausfüllen und die entsprechenden Befundberichte beilegen. Der Anruf der Sprechstundenhilfe für die Vereinbarung eines Termines erfolgte schnell, der nächste Termin war natürlich erst in zwei Monaten frei.

Vom ersten Moment fühlte ich mich dort gut aufgehoben. Freundliches Personal, umfassende Versorgung der Patienten nicht nur mit Medikamenten, sondern auch durch eine entsprechend geschulte Psychologin. Meine mit Depressionen, Angstzuständen und Borderline zusätzlich belastete Seele wurde genau so berücksichtigt wie mein Rücken. Es wurde solange gesucht und getüftelt, bis ich, die Patientin, sagte: „So kann ich leben!“ Am Anfang und bei Umstellung der Medikamente sind die Termine enger, wenn alles in Ordnung ist, einmal im Quartal. Rezepte für verordnetet Medikamente können auch per Post zugeschickt werden, bei Problemen wird sich um einen kurzfristigen Termin bemüht. Zumindest bis mittags ist eine der beiden Ärztinnen immer erreichbar. Leider, wie auch meine behandelnde Ärztin mir bestätigte, gibt es nur wenige dieser Schmerzsprechstunden, denn ein Großteil der Behandlung sind Gespräche, und die werden von den Krankenkassen nicht gut bezahlt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Anlaufstelle gefunden habe. Die psychische Belastung durch Schmerzen ist erheblich gesunken, und das ist für mein Wohlbefinden von ungeheurem Wert. Bei meinem letzten stationären Aufenthalt in der Psychiatrie waren die Schmerzmittel natürlich auch Thema, aber mein Gefühl sagte mir, dass der Zeitpunkt nicht der richtige für eine Veränderung war. Das wird dann ein Thema für den nächsten Termin Ende des Monats sein.

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