Ein Weihnachten zum Vergessen

Ein Weihnachten zum Vergessen

Dieses Jahr war Weihnachten so weit von besinnlich entfernt wie lange nicht mehr. Heiligabend hatten wir Besuch von meinen Eltern. Sam war zuerst unruhig und hat gebellt, aber das kennen wir von ihm. Erfahrungsgemäß beruhigt er sich nach einigen Minuten wieder, und so schien es auch diesmal wieder zu sein. 

Als wir dachten, alles ist in Ordnung, sprang er aus heiterem Himmel meine Mutter an, die aufgestanden war und hinter mir her zur Küche ging. Auch 23 Kilo können jemand aus dem Gleichgewicht bringen, der nicht damit rechnet. Sie stolperte gegen den Türrahmen und schlug sich den Ellbogen auf. Gestern habe ich erfahren, dass meine Mutter heute deswegen zum Arzt gehen will, und sie ist niemand, der das wegen jeder Kleinigkeit tut. 

In mir ist damit ein Fass übergelaufen, das sich seit Sams Ankunft mit jedem Zwischenfall langsam gefüllt hat. Jedes Mal, wenn ich ihn in ein anderes Zimmer sperren muss, weil er sonst auf Postboten, Nachbarn, Freunde oder Verwandte los gegangen wäre – ein Tropfen. Jedes Mal, wenn er beim Spazierengehen hektisch an der Leine zieht, sodass an Entspannung nicht zu denken ist und ich mit dem Rollator kaum folgen kann – ein Tropfen. Jedes Mal einen wild bellenden Sam vom Fenster wegholen, wenn ein Auto oder ein Mensch am Haus vorbei geht – ein Tropfen. Jedes Mal Radfahrer oder Jogger attackieren – ein Tropfen. Mir ist egal, dass Sam bei uns sanft, verspielt und verkuschelt ist. Mir ist egal, dass mein Mann den Vorfall auf seine Kappe nimmt und sagt, dass es seine Schuld ist und er nicht aufgepasst hat. Mir ist egal, dass immer gesagt wird, wir wären Sams letzte Chance. So etwas darf nicht passieren und ich bin total entmutigt und ratlos, was weiter werden soll.

Am ersten Weihnachtstag sind wir zur Schwester meines Mannes gefahren, die ein gutes Stück entfernt lebt. Uns wurde als Weihnachtsgeschenk präsentiert, dass sie schwanger ist. Rumms. Wir sind ungewollt kinderlos, das hat alle alten Wunden wieder aufgerissen. Schneller Ruckzug unmöglich, wegen des langen Weges war eine Übernachtung dort vorgesehen. Ich war die ganze Zeit wegen Sam und den Ereignissen vom Vortag zusätzlich angespannt und hatte Angst, dass etwas Ähnliches noch einmal passieren könnte. Das Gästebett war eine Zumutung für uns beide und unglaublich hart. Morgens um halb sechs wollten wir dann still und heimlich nach Hause fahren. Das Auto hatte andere Pläne und sprang nicht an, leere Batterie. Also alle wach geklingelt und wieder zurück ins Haus. Für mich war die Nacht gelaufen, mein Mann fand noch ein paar Stunden Schlaf. Um neun hat mein Schwager uns dann Starthilfe gegeben und wir fuhren endlich wieder nach Hause.

Ab heute herrscht bei uns bis Silvester beruhigender Alltag, auch weil mein Mann arbeiten geht. Ich muss jetzt erst mal wieder mein Nervenkostüm in den Griff bekommen.

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Weihnachtsstimmung

Weihnachtsstimmung

Noch eine gute Woche bis Heiligabend, aber mir ist noch nicht nach Feiern zumute. Auf weiße Weihnachten verlassen wir uns in diesem Teil Deutschlands sowieso besser nicht, aber auch in den Geschäften ist oft nur die Dekoration weihnachtlich. Stattdessen liegen Stress und Anspannung in der Luft, während eilig nach Geschenken gesucht wird, als ob Weihnachten wieder einmal überraschend kommt. Schade. Ich habe ein hartes Jahr hinter mir unď bemühe mich, es zumindest ruhig ausklingen zu lassen. Vielleicht steigt die Stimmung ja in der nächsten Woche, wenn ich alles für den Besuch meiner Eltern an Heiligabend vorbereite.

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