Alles zurück auf Anfang

Alles zurück auf Anfang

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„Verschnürtes Herz“, gemalt mit picsart.

Gestern war Quartalsgespräch in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es mir nicht gut geht, hätte aber nicht damit gerechnet, dass mir ein erneuter stationärer Aufenthalt vorgeschlagen wird.

Das letzte Mal ist gerade mal ein halbes Jahr her. Das ist nicht lange, und ein neuer Rekord für mich. Damals war als Sahnehäubchen Sammy gerade gestorben. Jetzt ist die Schwester meines Mannes schwanger. Ein Teil in mir merkt höchst nüchtern an: „Das passiert eben im Leben.“ Dem wäre nichts hinzuzufügen, würde nicht der Rest von mir schreiend und heulend in der Ecke liegen.

Außerdem gibt es mir das Gefühl, versagt zu haben. Habe ich denn gar nichts aus der Vergangenheit und meinen Therapien gelernt, dass ich mich schon wieder in so einer Situation wiederfinde? „Alles zurück auf Anfang“ kann auch auch ein ziemlich grausames Gefühl sein.

Mein Herz fühlt sich im Moment ganz eng und zusammengeschnürt an. Es war gut, dieses Gefühl in ein Bild zu packen.

Ich bin noch nicht vollständig davon überzeugt, dass ich diesen stationären Aufenthalt auch antreten werde. Zu groß sind meine Bedenken, ob mir das helfen kann, und ob ich diese anstrengende Zeit überhaupt durchstehe. Mein Mann sagt: „Es ist besser als nichts zu tun.“ Und trotzdem ist die Versuchung so groß, einfach zum Telefon zu greifen und mich wieder von der Warteliste für die stationäre Aufnahme streichen zu lassen.

Jedenfalls war der Arztbesuch ein Schlag in die Magengrube, dessen Wirkung nur langsam nachlässt. Daran habe ich jetzt erst mal ordentlich zu knabbern.

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Tanztee|abc-Etüden

Tanztee|abc-Etüden

Es gibt wieder eine neue Schreibeinladung von Christiane, die Ideen sind diesmal von Christa Hartwig, das Bild ist von Ludwig Zeidler.

Jetzt war der Moment gekommen, in dem nichts, aber auch gar nichts schiefgehen durfte. Sie war ihm schon vor Wochen beim Tanztee aufgefallen, und er hatte sie dabei beobachtet, wie sie ihre Freundinnen mit einer Kusshand begrüßte oder verabschiedete. Sie wurde häufig zum Tanzen aufgefordert, und das mit Recht, stets bewegte sich sie formvollendet über das Parkett. Sie mit anderen Männern zu sehen, ließ Schmetterlinge der Eifersucht in seinem Bauch aufflattern, die er schon lange verloren geglaubt hatte. Schließlich waren alle Besucher des Senioren-Tanztees mindestens sechzig Jahre alt. Aber jetzt hieß es, das Ziel anpeilen und sich ein Herz fassen. Er stand auf, jetzt gab es kein Zurück mehr, und überbrückte die drei Tische, die zwischen ihnen lagen. Sein Herz schlug wie wild, als er fragte: „Darf ich bitten?“
„Aber gerne doch! Ich dachte schon, Sie trauen sich nie.“

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Freitags-Füller #473

Freitags-Füller #473

Weil ich die Idee so schön finde, mache ich mit bei Barbaras

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Meine Ergänzungen sind fettgedruckt.

1. Bald beginnt die Zeit, in der ich und meine Eltern Geburtstag haben – wir sind alle Sommerkinder!

2. In Geldangelegenheiten bin ich sehr sorgfältig .

3. Drei Dinge auf meinem Tisch: Wasser, Handy, Rechnungen.

4. Ich liebe ihn, mein Mann hasst Rhabarber.

5. Was macht eigentlich Johnny Depp. Fällt mir ein, weil 21 Jump Street mittlerweile auch wieder neu aufgelegt wird. 

6.   Bis jetzt bin ich kein Nutzer von Netflix.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Blumenkohlsuppe, morgen habe ich geplant, mit meiner Mutter shoppen zu gehen und Sonntag möchte ich ausschlafen!

Freitagsfragen #8

Freitagsfragen #8

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Die Freitagsfragen gibt es bei Nickel. Meine Antworten sind grün.

1.) Was wäre das am wenigsten geeignete Essen, das man pürieren und durch den Strohhalm essen könnte? Für mich ganz klar knusprige Pommes! Weil dann die knackige Konsistenz verloren gehen würde.

2.) Was muss dringend modernisiert werden? Oje, zu viele Dinge. Der Umgang mit behinderten Menschen, Tierschutz, unser Wohnzimmer… ich höre mal auf, sonst wird es eine unendliche Liste. 

3.) Welche ungewöhnlichen Orte hast Du besucht? Das ehemalige KZ Sachsenhausen 1991. Auch nach so langer Zeit war noch das Grauen zu spüren, das sich dort ereignet haben muss. 

4.) Die Wahl der Qual: Einen komplett zufällig gewählten neuen Kreis aus Freunden und Familie oder einen zufälligen neuen Namen, Job und Wohnort? Definitiv neuen Namen, Job und Wohnort! Aber Familie und Freunde behalte ich, ohne die wäre ich ziemlich haltlos. 

Tierausstellungen damals und heute

Tierausstellungen damals und heute

In der 1980ern habe ich einmal eine Katzenausstellung besucht. Obwohl ich damals noch ein Kind  war, merkte ich, dass es den Tieren nicht gut ging. Die Käfige standen teilweise übereinander, und es gab keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Katzen. Viele Tiere wirkten gestresst und waren unruhig. 

Entsprechend skeptisch war ich vor unserem heutigen Besuch in Dortmund.

Wie die Bilder oben zeigen, hat sich zum Glück einiges geändert. Jeder Käfig war mit Hängematten oder Häusern ausgestattet. Jeder Käfig hatte einen Sichtschutz zu den Nebenkäfigen. Jeder Käfig war mit Katzentoilette, Futter und Wasser versorgt. Die meisten Katzen machten, was sie wahrscheinlich sowieso getan hätten: Herumliegen und Schlafen.

Wir haben auch einen Blick auf die Hundeausstellung geworfen, wo Rassehunde beurteilt wurden. Auch hier wurden größtenteils entspannte Tiere vorgestellt. Die meisten hatten geräumige Käfige als Rückzugsorte dabei.

Es war auch erlaubt, Hunde mitzubringen. Wir haben darauf verzichtet, weil wir davon ausgehen, dass es für Sam immer noch zu viel Stress ist. Auch hier galt: Die meisten Halter hatten ihre Hunde richtig eingeschätzt, und die meisten Vierbeiner waren ziemlich entspannt. Es waren Flächen eingerichtet, an denen die Hunde sich erleichtern konnten, und Tierärzte waren auch vor Ort.

Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass die Tiere heute besser behandelt werden als früher und viel mehr auf ihr Wohlergehen geachtet wird. Wenn es so ist, stimmt die Richrung.

 

Neue Menschen kennenlernen

Neue Menschen kennenlernen

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Im Moment tue ich mich schwer damit, neue Menschen in mein Leben zu lassen. Das bedeutet nicht, dass ich die Fähigkeit zum Smalltalk verloren habe. Das überspielt einiges, und das ist auch von mir gewollt. Es muss nicht jede Kassiererin im Supermarkt wissen, wie es mir geht.

Aber wenn es um Sachen geht, die mir möglicherweise ans Herz gehen können, bin ich extrem vorsichtig. Wie neulich, als ich mit einer Bekannten auf dem Frühlingsfest eines Listenhunde-Tierschutzvereins war. Ich merke, dass wir uns gut verstehen. Wir fühlen uns so sicher miteinander, dass wir auch über persönliche Dinge miteinander reden. Eine gute Basis für eine mögliche Freundschaft.

Und doch ist da eine Wand. Ich tue mich im Moment schon schwer, bestehende Beziehungen zu erhalten. Etwas Neues passt da nicht ins Bild. Und außerdem, was habe ich schon zu bieten? Ich halte nicht allzuviel von mir, wie sollen es da andere tun?

Trotz allem ist da ein Teil von mir, der trotz allem rauswill in die Welt und Spaß haben. Kann mal einer die Bremsen lösen, bitte? Auf jeden Fall fahren mein Mann und ich morgen auf eine Messe mit dem passenden Titel „Hund und Katz“.

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Geburtstagswünsche

Geburtstagswünsche

Ende Mai steht mein Geburtstag an. Das macht mir erheblich Bauchschmerzen. Wenn es nach mir ginge, würde ich diesen Tag einfach übergehen.

Im Moment haben mich die Depressionen dermaßen im Griff, dass mir meine Existenz stellenweise sinnlos erscheint. Es ist schwer zu beschreiben und mag undankbar erscheinen, aber das Gefühl ist da. Deswegen der leere Raum oben über den Geburtstagswünschen. Ich habe keine.

Schlimm ist für mich, dass es Menschen gibt, die das ganz anders sehen, allen voran mein Mann und meine Eltern. Wie kann ich dem gerecht werden? Ich will, dass es ihnen gut geht, wenn ich mich schon schlecht fühle.

Als Kompromiss habe ich darum gebeten, die Feier auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem ich mich besser fühle.

Montag ist Quartalsgespräch beim Psychiater. Für eine Strategie habe ich mich noch nicht entschieden, ich bin ziemlich ratlos im Moment.