Freitagsfragen #27

Freitagsfragen #27


Die Freitagsfragen gibt es bei Nickel. Meine Antworten sind fett.

1.) Fühlst Du Dich wohl mit Dir? Vor ein paar Wochen wäre meine Antwort noch ein kategorisches NEIN! gewesen. Nach acht Wochen intensiver Therapie bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es durchaus auch Anteile in mir gibt, auf die ich stolz sein kann. Vielleicht komme ich ja auch wieder an den Punkt, an dem ich mit mir zufrieden bin.

2.) Was wäre ein ehrlicher Werbe-Slogan für ein Produkt Deiner Wahl? Für mein Smartphone: Es kann wahrscheinlich mehr, als Sie jemals herausfinden werden, aber es hat auch auf jeden Fall gehöriges Suchtpotenzial.

3.) Kannst Du Bäume, Vögel oder Pilze bestimmen? Nur ganz wenige. Ich liebe es, durch die Natur zu gehen und mir alles genau anzuschauen und zu bewundern, aber so genau wollte ich es noch nie wissen.

4.) Die Wahl der Qual: Unberechtigt für einen Diebstahl festgenommen werden oder selber bestohlen werden? Ich bin jemand, dem Gerechtigkeit wichtig ist. Unberechtigt für einen Diebstahl festgenommen zu werden, würde mich schon sehr erschüttern. Die meisten Dinge lassen sich ersetzen, aber Unrecht ist nur sehr schwer wieder gut zu machen.

Advertisements
Ehre, wem Ehre gebührt

Ehre, wem Ehre gebührt

Heute bin ich der Ärztin über den Weg gelaufen, die mich während der ersten Wochen hier auf Station betreut hat – die Stationsärztin hatte damals Urlaub. Im Nachhinein war das eine glückliche Fügung, denn diese Ärztin ist auf Schmerztherapie spezialisiert und hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich von den Opiaten wegkommen muss. Einerseits war mir das schon selber klar, aber ich hatte Angst, dass die Schmerzen unerträglich werden.

Ich sprach sie also an und bedankte mich dafür, dass sie diesen großen Ball bei mir ins Rollen gebracht hat. Sie erkundigte sich nach dem aktuellen Stand und war sehr erfreut, dass ich die Opiate fast vollständig ausgeschlichen habe und plane, ab Montag völlig ohne zurecht zu kommen. Sie fragte, welche Schmerzmittel ich aktuell nehme und fand die Lösung, die wir hier gefunden haben, sehr gut.

Ich sagte, dass ich mich so sehr gut fühle, und sie lächelte und sagte: „Sehen Sie? Und am Anfang hatten Sie solche Angst.“

Und ob ich das hatte! Angst, die Opiate weiter zu nehmen. Angst davor, sie nicht weiter zu nehmen. Angst vor einem Leben ohne Lebensfreude wegen großer Schmerzen.

Ich bin sehr froh, dass sich das alles nicht bewahrheitet hat. Es war nicht immer einfach, von den Opiaten wegzukommen, aber es war möglich.

Es war mir einfach ein Herzensbedürfnis, dieser Ärztin zu danken. Manchmal brauche ich einfach einen Tritt in die Kehrseite, aber sie hat auch meine Ängste und Befürchtungen ernst genommen. Sie hat nie von oben herab, sondern immer von Mensch zu Mensch mit mir gesprochen. Und der Umgang mit Schmerzpatienten ist sicherlich schwierig.

Zielgerade

Zielgerade

Und schon ist meine letzte volle Therapiewoche angebrochen. In der Chefarztvisite vorhin sagte ich, dass ich nach Ende der Therapie erst einmal Urlaub brauche… Ich habe hier so hart gearbeitet. Es hat sich gelohnt, in den letzten Tagen ist die Sonne wieder in mir aufgegangen. Wenn ich nur ein bisschen dieser Leichtigkeit in den Alltag retten kann, ist schon viel gewonnen.

Ab heute Abend bekomme ich nur noch eine halbe Opiat-Tablette, und ab nächsten Montag will ich dann vollständig auf opiatfreie Schmerzmittel umstellen. Ich bin zuversichtlich, denn durch den Tag komme ich mittlerweile auch ohne Opiate. Die Rückenschmerzen kommen und gehen, aber ich finde es erträglich.

Meine Stimmung ist wesentlich stabiler geworden. Kommt ein Tief, versuche ich, da durchzukommen, aber ich gerate darüber nicht mehr in Panik. Das neue Antidepressivum hilft mir sehr gut und nahezu nebenwirkungsfrei.

Kurzum, hätte mir am Anfang der Therapie jemand gesagt, dass es mir jetzt so gut gehen wird, hätte ich es für unmöglich gehalten. Das Team erinnert mich immer wieder daran, dass ich das alleine geschafft habe.

Im Bild oben habe ich eine Art Kompass gemalt. Ich habe das Gefühl, dass ich wieder weiß, wo es lang geht in meinem Leben.

Die verbleibende Zeit werde ich dazu nutzen, die letzten offenen Dinge zu einem Abschluss zu bringen. Und ich schaue mit einem Auge schon wieder auf das normale Leben, dass mich dann nächsten Donnerstag wieder haben wird.

Freitags-Füller # 491

Freitags-Füller # 491

Weil ich die Idee so schön finde, mache ich mit bei Barbaras

6a00d8341c709753ef0111690e6fe7970c-500wi

Meine Ergänzungen sind fettgedruckt.

1. Ein Wohnzimmer ist nur komplett mit faul herumliegenden Hunden oder Katzen. Das schafft Gemütlichkeit.

2. Ich schaffe es meistens, diese Falle zu vermeiden: neidisch sein.

3. Ich würde fast vermuten, dass mir das Zusammensein mit Gleichgesinnten fehlen wird, wenn ich übernächste Woche entlassen werde.

4. Was unsere Katze wirklich über uns denkt, wird wohl niemals aufgeklärt.

5. Wir erleben so viel Schönes zusammen, wenn wir mit den Hunden spazieren gehen.

6. Astern sind meine Lieblingsblumen im Herbst.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf mein Bett, morgen habe ich geplant, Zeit mit Mann und Tieren zu verbringen und Sonntag möchte ich ein bisschen aufräumen !

Freitagsfragen #26

Freitagsfragen #26

Die Freitagsfragen gibt es bei Nickel. Meine Antworten sind fett.

1.) Was hast Du diese Woche gelernt? Dass ich mehr Einflussmöglichkeiten auf mein Leben habe, als ich eigentlich gedacht habe. Ein sehr wirkungsvolles Mittel geben Depressionen!

2.) Wenn Du Dich in 3 Worten beschreiben solltest, welche wären das? Sensibel, liebevoll und unsicher.

3.) Was hat Dich heute zum Lächeln gebracht? Der Blick unserer Katze, als ich ihr „Marvin Gaye“ von Charlie Puth vorgesungen habe… Jackie war definitiv überrascht… Keine Ahnung, ob es ihr gefallen hat 😁

4.) Die Wahl der Qual: Eine Woche lang nicht sprechen können oder eine Woche lang nicht hören können? Nicht hören können hatte ich schon. Ist blöd, aber ich kam irgendwie klar. Nicht sprechen können finde ich schlimmer, denn ohne Sprache geht eine ganz elementare Brücke zu anderen Menschen.

Tschüss, Opiate

Tschüss, Opiate

Eine meiner Ziele für meinen Aufenthalt hier war, von den Opiaten wegzukommen, die ich seit Jahren wegen meiner Rückenschmerzen nehme.

Bei meinem Psychiatrieaufenthalt vor einem Jahr wollte die damalige Oberärztin die Opiate auch schon absetzen, aber ich habe das damals vehement abgelehnt und auch durchgesetzt. Das Vertrauen fehlte mir einfach.

Hier wurde mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass einvernehmlich mit mir eine Lösung gefunden wird, und außerdem gibt es hier auch auf Schmerztherapie spezialisierte Ärzte.

Der erste Schritt war, das Schmerzpflaster gegen Opiate in Tablettenform auszutauschen. Die Dosis der Tabletten wurde dann reduziert und je nach Bedarf durch andere Schmerzmittel ersetzt.

Es gab einen Tag, der sehr schlimm war. Meine Welt explodierte in einem gleißenden Ball von Schmerzen, und meine Stimmung näherte sich wieder Selbstmordgedanken an. Trotz aller Dosisreduzierungen war ich anscheinend immer noch ziemlich abhängig von den Opiaten.

Aber auch damit wurde ich nicht alleine gelassen, und es waren auch nur ein paar harte Stunden.

Ab nächsten Montag will ich versuchen, auch abends auf andere Schmerzmittel umzusteigen. Ich muss mich an andere Schmerzmuster gewöhnen, und auch daran, die Tabletten zu nehmen, solange die Schmerzen noch gering sind. Aber das schaffe ich.

Meine Erfahrung mit Opiaten hat mir gezeigt, dass sie wunderbar effektiv bei Schmerzen sind, und sie sollten auch nicht aus falscher Vorsicht zurück gehalten werden. Allerdings sollte das Ausschleichen auf jeden Fall ärztlich begleitet werden.

Wer auf High Heels steigt|abc-Etüden

Wer auf High Heels steigt|abc-Etüden

20180923_1627176518358408193387512.jpg

Christiane lädt wieder ein zu den abc-Erüden, die Ideen kommen dieses Mal von Anna-Lena.

Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich in das Krankenhausbett zurückfallen. Der Gips bedeckte fast sein ganzes linkes Bein, und Schmerzen hatte er auch. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es noch eine Stunde bis zur nächsten Schmerzmittelausgabe dauerte.

Nie im Leben hätte er gedacht, dass eine Kreuzfahrt so gemeingefährlich sein könnte. Er hatte sein Leben  lang davon geträumt, auf einem großen Passagierschiff über den Atlantik zu fahren.

Und es hatte alles so gut angefangen, bereits am zweiten Abend hatte er die umwerfend hübsche Fee kennen gelernt, und seine Zuneigung wurde erwidert. Beim Tanzen sprühten die Funken zwischen ihnen, und er hatte sich Hoffnung auf mehr gemacht.

Der letzte Cocktail war vielleicht doch zu viel gewesen. Er konnte sich nicht daran erinnern, wer die Idee gehabt hatte, dass er in Fees High Heels über das Deck stelzen sollte. Jedenfalls war er gestürzt und die Treppe zum Pool heruntergefallen, das Resultat war ein komplizierter Bruch. Sein Urlaub endete im nächsten Hafen. Immerhin waren die Kosten für den Rücktransport durch seine Auslandskrankenversicherung gedeckt.

Sein Handy vibrierte, und er nahm es in die Hand. Fee erkundigte sich, wie es ihm ging. Sie hatte die Kreuzfahrt natürlich fortgesetzt, aber sie lebten im normalen Leben nur 50 km voneinander entfernt. Er musste lächeln. Vielleicht war dieser Sturz nur der Anfang einer wirklich großen Liebesgeschichte.