Der Dämon Selbsthass

Der Dämon Selbsthass

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Während mir draußen zahlreiche Dämonen folgen, ist es im Haus nur ein einziger, aber der ist besonders schlimm: Selbsthass.

Er ist besonders hartnäckig, und er weiß genau, wie er mich am besten quälen kann. Er folgt mir den ganzen Tag, oft auch nachts.

Heute in der Therapie haben wir eine Visualisierung versucht. Ich sollte mir den Dämon vorstellen und mit ihm reden. Neu war die Erkenntnis, dass es auch Dinge gibt, die mir an ihm gefallen. Zum Beispiel, dass er nach ganz klaren Regeln spielt. Aber ich finde auch, dass er mich zu hart verurteilt. Schließlich war mein Leben nicht immer so wie heute, und ich habe mich trotz aller meiner physischen und psychischen Probleme lange in der „normalen“ Welt behauptet.

Ich sollte den Dämon dann ein Stück von mir wegschieben, und am Ende der Stunde war er auch nicht mehr schwarz, sondern eher grau.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass ich noch genug unter diesem Dämon zu leiden haben. Aber vielleicht habe ich doch ein gewisses Mitspracherecht!

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Ferngesteuert

Ferngesteuert

Nach dem Gefühl von gestern, einen heftigen Schlag in die Magengrube kassiert zu haben, fühle ich mich heute leer, taub und wie ferngesteuert.

Die wichtigsten Menschen sind über die neue Entwicklung informiert, und die Reaktionen waren durch die Bank gleichermaßen mitfühlend und aufmunternd. Dafür bin ich sehr dankbar.

Trotzdem bewege ich mich durch diesen Tag wie ein Robotor. Glücklicherweise bekomme ich auch in diesem Hilfsmodus das Wichtigste geregelt. Paket für den Nachbarn annehmen, Ergotherapie in der Gruppe, Kochen… und viele, viele Löcher in die Decke über meinem Bett starren.

Hallo Leben, darf ich morgen wieder mitspielen?

Alles zurück auf Anfang

Alles zurück auf Anfang

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„Verschnürtes Herz“, gemalt mit picsart.

Gestern war Quartalsgespräch in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es mir nicht gut geht, hätte aber nicht damit gerechnet, dass mir ein erneuter stationärer Aufenthalt vorgeschlagen wird.

Das letzte Mal ist gerade mal ein halbes Jahr her. Das ist nicht lange, und ein neuer Rekord für mich. Damals war als Sahnehäubchen Sammy gerade gestorben. Jetzt ist die Schwester meines Mannes schwanger. Ein Teil in mir merkt höchst nüchtern an: „Das passiert eben im Leben.“ Dem wäre nichts hinzuzufügen, würde nicht der Rest von mir schreiend und heulend in der Ecke liegen.

Außerdem gibt es mir das Gefühl, versagt zu haben. Habe ich denn gar nichts aus der Vergangenheit und meinen Therapien gelernt, dass ich mich schon wieder in so einer Situation wiederfinde? „Alles zurück auf Anfang“ kann auch auch ein ziemlich grausames Gefühl sein.

Mein Herz fühlt sich im Moment ganz eng und zusammengeschnürt an. Es war gut, dieses Gefühl in ein Bild zu packen.

Ich bin noch nicht vollständig davon überzeugt, dass ich diesen stationären Aufenthalt auch antreten werde. Zu groß sind meine Bedenken, ob mir das helfen kann, und ob ich diese anstrengende Zeit überhaupt durchstehe. Mein Mann sagt: „Es ist besser als nichts zu tun.“ Und trotzdem ist die Versuchung so groß, einfach zum Telefon zu greifen und mich wieder von der Warteliste für die stationäre Aufnahme streichen zu lassen.

Jedenfalls war der Arztbesuch ein Schlag in die Magengrube, dessen Wirkung nur langsam nachlässt. Daran habe ich jetzt erst mal ordentlich zu knabbern.

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Neue Menschen kennenlernen

Neue Menschen kennenlernen

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Im Moment tue ich mich schwer damit, neue Menschen in mein Leben zu lassen. Das bedeutet nicht, dass ich die Fähigkeit zum Smalltalk verloren habe. Das überspielt einiges, und das ist auch von mir gewollt. Es muss nicht jede Kassiererin im Supermarkt wissen, wie es mir geht.

Aber wenn es um Sachen geht, die mir möglicherweise ans Herz gehen können, bin ich extrem vorsichtig. Wie neulich, als ich mit einer Bekannten auf dem Frühlingsfest eines Listenhunde-Tierschutzvereins war. Ich merke, dass wir uns gut verstehen. Wir fühlen uns so sicher miteinander, dass wir auch über persönliche Dinge miteinander reden. Eine gute Basis für eine mögliche Freundschaft.

Und doch ist da eine Wand. Ich tue mich im Moment schon schwer, bestehende Beziehungen zu erhalten. Etwas Neues passt da nicht ins Bild. Und außerdem, was habe ich schon zu bieten? Ich halte nicht allzuviel von mir, wie sollen es da andere tun?

Trotz allem ist da ein Teil von mir, der trotz allem rauswill in die Welt und Spaß haben. Kann mal einer die Bremsen lösen, bitte? Auf jeden Fall fahren mein Mann und ich morgen auf eine Messe mit dem passenden Titel „Hund und Katz“.

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Geburtstagswünsche

Geburtstagswünsche

Ende Mai steht mein Geburtstag an. Das macht mir erheblich Bauchschmerzen. Wenn es nach mir ginge, würde ich diesen Tag einfach übergehen.

Im Moment haben mich die Depressionen dermaßen im Griff, dass mir meine Existenz stellenweise sinnlos erscheint. Es ist schwer zu beschreiben und mag undankbar erscheinen, aber das Gefühl ist da. Deswegen der leere Raum oben über den Geburtstagswünschen. Ich habe keine.

Schlimm ist für mich, dass es Menschen gibt, die das ganz anders sehen, allen voran mein Mann und meine Eltern. Wie kann ich dem gerecht werden? Ich will, dass es ihnen gut geht, wenn ich mich schon schlecht fühle.

Als Kompromiss habe ich darum gebeten, die Feier auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem ich mich besser fühle.

Montag ist Quartalsgespräch beim Psychiater. Für eine Strategie habe ich mich noch nicht entschieden, ich bin ziemlich ratlos im Moment.

Fehl am Platze

Fehl am Platze

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So fühle ich mich zumindest im Moment. Wie dieser vertrocknete Baum (das soll übrigens Kunst sein) umgeben von Frühling. Nur für mich findet dieser Frühling nicht statt.

Die Schwangerschaft meiner Schwägerin nimmt mich sehr mit. Zuerst dachte ich, dieses schlechte Gefühl würde wieder vergehen. Wir haben es Weihnachten 2017 erfahren, aber ich werde weiterhin von einer Gefühlswelle nach der nächsten überrollt.

Wir sind ungewollt kinderlos. Alle medizinischen Möglichkeiten haben daran nichts geändert. Ein Kind zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen, haben wir uns nicht zugetraut, denn wie uns der zuständige Sachbearbeiter vom Jugendamt erklärte, als wir uns darüber informiert haben: Jedes dieser Kinder bringt sein eigenes Päckchen aus der Vergangenheit mit.

An alle, die mit Sprüchen wie „Wer weiß, wozu es gut ist“ leicht bei der Hand sind: Das ist ein sehr schwacher Trost, wenn ein Lebenstraum platzt. Das mag richtig sein, und wir wissen auch, dass Kinder keine Garantie für ein glückliches Leben sind. Aber der Schmerz bleibt. Natürlich haben um uns herum immer wieder Freunde und Bekannte Kinder bekommen, aber das habe ich irgendwie weggesteckt. Meine Seele war stabiler, ich war durch meine Arbeit abgelenkt und eingespannt. Ich habe auch viel verdrängt.

Im Moment habe ich keine Abwehrmechanismen. Alles drischt ungebremst auf mich ein. Meine Gefühle laufen Amok, vor allem der Dämon Selbsthass quält mich sehr. Und je öfter ich darüber rede, desto mehr tut es weh – genau das Gegenteil von dem, was passieren sollte.

Im Moment ist guter Rat teuer. Ich hoffe, er ist nicht unbezahlbar und lässt nicht mehr allzu lange auf sich warten.

 

 

Frühlingserwachen anderer Art

Frühlingserwachen anderer Art

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Nach meinem Besuch von Herrn Meltdown war irgendwie auch weiterhin der Wurm drin. Ich war total zittrig, und die Gefühle fuhren Fahrstuhl. Das blieb auch so, nachdem ich das Thema in der Einzel-Ergotherapiestunde und meiner zweiwöchentlichen Gesprächstherapie aufgegriffen hatte.

Also bin ich dann gestern Mittag doch lieber in der Psychiatrischen Institutsambulanz vorstellig geworden. Vorteil: In einer Institutsambulanz ist immer jemand erreichbar. Nachteil: Welcher Arzt gerade Dienst hat, ist Glückssache. Und: Die Wartezeiten können durchaus einige Stunden betragen. Also habe ich mich mit Powerbank, Tablet und Kakao ausgerüstet.

Wer ohne Termin vorstellig wird, muss sich zunächst bei der Pflege melden. Dort werden dann die Gründe für den Besuch ins System aufgenommen. Und dann kommt immer die gleiche Frage: „Wie können wir Ihnen heute weiterhelfen?“

Gute Frage. Kann bitte jemand diesen Knoten in meinem Gehirn durchschlagen? Oder kann ich gleich ein neues Gehirn haben, dieses hier hat nur noch Fehlzündungen?

Natürlich hatte ich mir darüber vorher auch schon Gedanken gemacht. Ich wollte einfach ein stärkeres Medikament für ein paar Tage haben, damit das Gehirn den Reset-Knopf drücken kann.

Dann hatte ich auch mal Glück, mein behandelnder Arzt war zwar nicht da, aber den diensthabenden Arzt kannte ich auch. Er hat sich auch Zeit genommen und fand meinen Vorschlag auch gut. Nicht so toll kam bei mir allerdings sein Vorschlag an, schon wieder die Medikamente zu wechseln. Noch mehr Chaos im Kopf brauche ich nicht, das Thema schiebe ich erstmal weit nach hinten. Aber immerhin war ich nach schon zwei Stunden wieder draußen.

Ich versuche es also ein paar Tage mit Perazin, mit dem Ziel, davon auch schnell wieder wegzukommen. Meine vorläufige Meinung ist, dass es in der Tat beruhigend wirkt, könnte für meinen Geschmack mehr sein. Allerdings sind 25mg auch eine sehr niedrige Dosierung.

Aber gut möglich, dass es ein Schritt in die richtige Richtung war.

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