Steigende Spannung

Steigende Spannung

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Die Geburtstagsfeier meines Mannes am 2. März rückt immer näher, und ich fühle mich immer angespannter und werde immer unsicherer, ob ich dem gewachsen bin.

Ich versuche, mich abzulenken – für ein paar Stunden klappt das auch. Letzten Sonntag war ich mit einer Freundin bei einer Tierschutzveranstaltung für Listenhunde. Das Wetter war toll, es waren nette Menschen dort, ich verstehe unseren Sam ein Stück besser und wir haben beide einfach einen schönen Weibertag gehabt. Spontan haben wir beschlossen, dass ich sie und ihren Hund Samstag zum Hundetrainer begleite und die Trainingsstunde filme. Das wird bestimmt auch wieder schön. Zuhause sitzen und grübeln wird mir nicht helfen, soviel weiß ich.

Nächste Woche ist entsprechend viel zu tun. An seinem Geburtstag möchte mein Mann Kuchen für seine Kollegen mit zur Arbeit nehmen – die Jungs haben einen guten Appetit, also werde ich drei Kuchen backen. Am Abend seines Geburtstages gehen wir noch chinesisch essen, das ist dann unsere „Date night“ für Februar. An diesem Tag lasse ich die Ergotherapie ausfallen, es wird mir sonst einfach zu viel.

Der Rest der Woche wird mit Hausputz, Einkaufen, Ergotherapie und weiteren Vorbereitungen gut gefüllt sein. Ich hoffe, ausgelastet zu sein wird meine Angst in einem erträglichen Rahmen halten. Denn irgendwie muss ich die Zeit herumbringen und meine inneren Dämonen in Schach halten.

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Zwickmühle

Zwickmühle

Die Geburtstagsfeier meines Mannes hat viele widersprüchliche Gefühle in mir hoch kommen lassen. Vor allem geht es natürlich um die Begegnung mit dem Baby.

Ich habe dieses Thema mehrfach mit verschiedenen Menschen besprochen. Der Tenor war: Was passieren wird, lässt sich nicht vorhersagen, und es ist meine Entscheidung. Auf mein Gefühl kann ich mich dabei leider nicht verlassen: Meine Angststörung hat mir schon oft Streiche gespielt, und Situationen können in meiner Vorstellung durchaus schlimmer sein als in Wirklichkeit. Meine Depressionen flüstern mir zu, dass sowieso alles schief geht. Und meine Borderline Persönlichkeitsstörung lacht höhnisch und sagt, dass ich nur ein kleines Stück Scheiße bin. Ein weiterer Teil von mir hat diese Negativität satt und will nicht glauben, dass alles so hoffnungslos ist.

Meine Idee war zunächst, dass ich die Feier vorbereite, danach in einem Hotel übernachte und wieder nach Hause komme, wenn alles vorbei ist. Das allerdings ist nicht, was mein Mann vorhat: Er möchte nicht ohne mich feiern. Wenn ich nicht dabei bin, feiert er lieber gar nicht. Und das fände ich furchtbar – er konnte schon letztes Jahr seinen Geburtstag nicht mit seinen Lieben verbringen, weil es mir so schlecht ging. Und ich weiß, wie sehr er diese Familienfeiern liebt. Schlimm genug, dass ich ihn fast nie begleiten kann.

Also muss eine andere Lösung her. Mein Mann fragte, ob es mir nicht reicht, wenn ich mich nach oben zurück ziehe. Ihm ist es lieber, in so einer schwierigen Situation in meiner Nähe zu sein. Ich sagte: Ja, aber dann muss aber auch klar sein, dass ich dort in Ruhe gelassen werde.

„Deine Mutter wird schon nach dir sehen wollen“, sagte er.

„Das ist etwas anderes!“ sagte ich – meine Eltern und ich haben nun wirklich ziemlich viel Blödes zusammen durch.

„Und ich würde auch nach dir sehen wollen“, fügte er hinzu.

„Das ist auch was anderes!“ entgegnete ich, weil… nun ja, siehe oben.

Eines ist sicher: Ich fühlte mich von meinem Mann verstanden, und wir versuchen, einen Weg für beide zu finden. So soll es ja in einer Ehe auch sein, war es aber bei uns nicht immer, weil ich zu Alleingängen neige. Dass es diesmal anders ist, werte ich als Fortschritt.

Und doch bleibt die Angst, ich könnte mit dieser Situation überfordert sein. Um über diesen Schatten zu springen, brauche ich sehr viel Kraft.

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Weihnachtswirrnis

Weihnachtswirrnis

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Weihnachten rückt immer näher, und ich fühle mich zunehmend unwohl. Ich bin wütend auf mich selber.

Einen Großteil dieses Jahres habe ich damit zugebracht, in Therapien das Thema Kinderlosigkeit zu bearbeiten, das durch die Schwangerschaft meiner Schwägerin wieder aufgekommen ist. Und trotzdem fühle ich mich immer noch nicht bereit dazu, Weihnachten die Familie meines Mannes zu besuchen.

Meine größte Angst ist, dass mich ein Schritt zu weit in ein emotionales Chaos stürzt und mich Monate meiner harten Arbeit kostet. Die Fachleute, mit denen ich gesprochen habe, sagen übereinstimmend, dass diese Gefahr real ist und ich vorsichtig sein soll.

Außerdem ist heute der 18. Todestag meiner Oma. Sie ist in dem gleichen Jahr an Krebs gestorben, in dem meine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Unser letztes Treffen, bei dem sie bereits sehr krank aussah, werde ich nie vergessen.

Als ich heute Vormittag mit meiner Mutter telefoniert habe, teilte sie mir mit, dass mein Onkel (ihr Bruder) gestern verstorben ist. Er war lange krank und seit dem Sommer ging es stetig bergab. Wir hatten kein sehr enges Verhältnis, und doch hat es mich getroffen. Ich bin vor allem froh, dass er in Frieden gehen konnte und bis zuletzt von seiner Frau und seiner Tochter geliebt und bestens versorgt wurde. Und ich bin erleichtert, dass meine Mutter im Moment ganz gut zurecht kommt: Sie ist natürlich traurig, aber sie ist froh, dass ihr Bruder nicht mehr leidet und dass sie zuletzt ein gutes Verhältnis hatten (das war nicht immer so).

Wir werden morgen trotzdem zusammenkommen und das Leben feiern.

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Depressionen und Zeitgefühl

Depressionen und Zeitgefühl

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Als ich mich neulich um unseren Papierkram gekümmert habe, ist mir aufgefallen, wie sehr die Depressionen im vergangenen Jahr mein Zeitgefühl verändert haben.

Ich habe wenigstens die ganzen Belege in einem Vorsortierordner gesammelt, sie dann aber auch ein ganzes Jahr (!) nicht mehr angefasst. Mir war nicht bewusst, dass es so lange her ist, aber die Beweise sind eindeutig. Wir hatten großes Glück, dass in dieser Zeit nichts wirklich Schlimmes passiert ist – das Blödeste war, dass ich die Steuervorauszahlungen an das Finanzamt vergessen habe, und das war mit der Zahlung einer Gebühr erledigt. Ansonsten wurden alle Rechnungen bezahlt, alle Lastschriften eingelöst und die Konten waren immer im grünen Bereich. Notfalls hat mein Mann mich eben ordentlich angestupst. Ich kenne Menschen, denen das alles während der Depressionen völlig entglitten ist.

Als es mir schlecht ging, gingen alle Tage in einem Einheitsbrei vorbei, der mehr oder weniger dunkelgrau war. Es fällt mir rückblickend sehr schwer, mich an Ereignisse wirklich zu erinnern und sie nicht nur vom Kalender abzulesen.

Jetzt ist alles anders, nicht immer rosarot, aber immerhin bunter. Trotzdem kommt es mir so vor, als hätte ich ein Jahr im Nebel der Depressionen verloren. Als ob es Zeiten gibt, in denen in ich nicht wirklich gelebt habe.

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Akzeptanz…

Akzeptanz…

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…spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens. Akzeptanz ist aber auch eine meiner größten Herausforderungen. Ich bin niemand, der das Leben einfach hinnimmt wie es ist.

In den letzten Tagen habe ich mir vorgenommen, endlich mit dem Aussortieren meiner Kleidung fertig zu werden. Wie oben zu sehen, gab es noch eine Menge Sachen, von denen ich mir eingestehen musste, dass ich sie nie wieder anziehen werde. Sei es, weil sie mir nicht mehr passen, oder weil ich keine Gelegenheit mehr haben werde sie anzuziehen. Alles war noch gut erhalten und ging in die Altkleidersammlung.

Ich hatte gehofft, es würde sich ein großes Gefühl der Erleichterung einstellen. Stattdessen stürzte ich in ein Tal von Traurigkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Ich war traurig, weil ich mich nie wieder morgens hübsch zurecht machen und in ein Büro fahren werde. Ich war verzweifelt, weil ich mich durch meine körperlichen und seelischen Beschwerden sehr eingeschränkt fühle. Ich war hoffnungslos, weil ich mich im Moment nur immer von einem Tag zum nächsten hangele.

Mit diesen Dingen werde ich mich in der nächsten Zeit noch genauer auseinander setzen müssen und hoffentlich ein Stück weit Frieden mit mir schließen können. Aber das Wichtigste: Der Alltag läuft weiter. Ich gehe weiter mit den Hunden spazieren, erledige den Haushalt und gehe zu den Therapien. Das gibt mir Halt.

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Einen dieser Tage…

Einen dieser Tage…

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…die man am liebsten einfach in die Ecke pfeffern möchte, hatte ich gestern. Alles fing ganz friedlich an, Hundespaziergang, Putzen, Einzelergotherapie. Auf dem Weg nach Hause bekam ich Nachrichten und ein Bild von meiner Schwiegermutter: Sie ist total glücklich, dass ihr Enkelkind das erste Mal bei ihnen übernachtet hat.

Ich war nicht darauf vorbereitet, um so härter hat es mich getroffen. Als ich zu Hause ankam, war ich völlig aufgelöst und hatte jede Menge schlimme Gedanken im Kopf: „Ich habe versagt, weil wir keine Kinder haben, am liebsten möchte sterben“, „Der Schmerz in mir ist so groß, am liebsten würde ich mich selber verletzen“.

Musik hören und spülen brachten mich auch nicht auf andere Gedanken. Schließlich nahm ich meine Bedarfsmedikation und legte mich hin. Ein Hund blieb bei mir im Schlafzimmer, und die Katze legte sich auf meine Brust. Mein Mann kam nach Hause, ich redete mit ihm darüber, kochte, legte mich hin, schlief eine Stunde, sah fern – in mir tobte immer noch das Chaos. Eine schöne warme Dusche vor dem Schlafengehen half auch nicht weiter, ich lag lange wach. Mehr von dem Bedarfsmedikament nehmen wollte ich nicht, damit das Aufstehen am nächsten Morgen nicht zu schwierig wird.

Heute morgen fühlte ich mich immer noch nicht wirklich besser, aber ich schaffte es irgendwie, um selbstverletzendes Verhalten herumzukommen. Die Hunderunde fiel länger aus als gewöhnlich, und ich nahm mir Zeit zum Nachdenken. Mir wurde klar, dass ich meiner Schwiegermutter unbedingt begreiflich machen wollte, was gestern in mir ausgelöst wurde. Es ging mir nicht um Schuldzuweisung oder Rechtfertigung – nur darum, dass so etwas nicht wieder passiert. Also schrieb ich ihr, dass der Schmerz über unsere Kinderlosigkeit gestern wieder heftig in mir hochgekommen ist, und dass ich momentan immer noch sehr angespannt und damit beschäftigt bin, mich in meinem neuen Alltag zurecht zu finden. Und auch, dass ihr Sohn und der neue Alltag momentan bei mir ganz oben stehen, ich aber damit auch völlig ausgelastet bin.

Ich weiß nicht, welche Antwort ich darauf bekommen werde, aber endlich fühle ich mich besser. Die Therapeutin im Krankenhaus hat mir gesagt, dass ich meinem Umfeld schon mitteilen muss, was seine Worte und Taten in mir auslösen – sonst kann auch keiner Rücksicht nehmen. Es fällt mir nach wie vor nicht leicht, ich habe immer das Gefühl, mich damit verletzlich zu machen. Andererseits kann ich so auch einen Teil von meiner Last loswerden. Anscheinend habe ich genau das heute gebraucht.

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12 Tage…

12 Tage…

…ist meine Entlassung aus dem Krankenhaus nun her. Einerseits ist die Zeit auf Station in meinem Kopf schon sehr in den Hintergrund gerückt, andererseits wirkt immer noch nach, was ich dort erlebt und gelernt habe.

Heute morgen musste ich ziemlich früh aufstehen, weil die quartalsmäßige Blutzuckermessung anstand. Ich kam vom Arzt nach Hause und beschloss, den Ball weiter rollen zu lassen: Gassi gehen und eine Stunde Hausarbeit. Danach duschen und kochen.

Hört sich normal an? Mag sein, aber ich habe die Zeit noch nicht vergessen, in der ich den ganzen Tag nicht aus dem Bett gekommen bin. 

Meine inneren Dämonen, Angst, Depression und Schmerz sind nicht einfach verschwunden, aber ich gehe anders mit ihnen um. Wenn sie sich bemerkbar machen, begrüße ich sie, wir sind schließlich alte Bekannte. Ich biete ihnen sogar einen Platz an, aber dann mache ich mit dem weiter, was ich gerade mache. Und irgendwann stelle ich dann fest, dass der Platz wieder leer ist, denn meine Dämonen verabschieden sich nie.

So können anscheinend alle Beteiligten ganz gut leben. 

Ich bin mir bewusst, dass meine Grenzen eng gesteckt sind. Das ist jetzt im Alltag noch einmal sehr deutlich geworden und hat das eine oder andere Frusttränchen fließen lassen. Aber den Raum, den ich habe, nutze ich definitiv aus.