Alles zurück auf Anfang

Alles zurück auf Anfang

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„Verschnürtes Herz“, gemalt mit picsart.

Gestern war Quartalsgespräch in der Psychiatrischen Institutsambulanz. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es mir nicht gut geht, hätte aber nicht damit gerechnet, dass mir ein erneuter stationärer Aufenthalt vorgeschlagen wird.

Das letzte Mal ist gerade mal ein halbes Jahr her. Das ist nicht lange, und ein neuer Rekord für mich. Damals war als Sahnehäubchen Sammy gerade gestorben. Jetzt ist die Schwester meines Mannes schwanger. Ein Teil in mir merkt höchst nüchtern an: „Das passiert eben im Leben.“ Dem wäre nichts hinzuzufügen, würde nicht der Rest von mir schreiend und heulend in der Ecke liegen.

Außerdem gibt es mir das Gefühl, versagt zu haben. Habe ich denn gar nichts aus der Vergangenheit und meinen Therapien gelernt, dass ich mich schon wieder in so einer Situation wiederfinde? „Alles zurück auf Anfang“ kann auch auch ein ziemlich grausames Gefühl sein.

Mein Herz fühlt sich im Moment ganz eng und zusammengeschnürt an. Es war gut, dieses Gefühl in ein Bild zu packen.

Ich bin noch nicht vollständig davon überzeugt, dass ich diesen stationären Aufenthalt auch antreten werde. Zu groß sind meine Bedenken, ob mir das helfen kann, und ob ich diese anstrengende Zeit überhaupt durchstehe. Mein Mann sagt: „Es ist besser als nichts zu tun.“ Und trotzdem ist die Versuchung so groß, einfach zum Telefon zu greifen und mich wieder von der Warteliste für die stationäre Aufnahme streichen zu lassen.

Jedenfalls war der Arztbesuch ein Schlag in die Magengrube, dessen Wirkung nur langsam nachlässt. Daran habe ich jetzt erst mal ordentlich zu knabbern.

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Quartalsgespräch beim Psychiater

Quartalsgespräch beim Psychiater

Heute (ja, am Rosenmontag im Rheinland!) hatte ich ein Quartalsgespräch bei meinem Psychiater. Dabei wird über den psychischen Zustand gesprochen, zusätzliche Therapien angeordnet oder eben an der Medikation etwas geändert.

Ich bin in der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) des zuständigen Krankenhauses in Behandlung. Als Vorteile empfinde ich, dass

  • im Notfall zeitnah eine stationäre Einweisung erfolgen kann,
  • rund um die Uhr ein Arzt erreichbar ist,
  • im Zweifelsfall ein anderer Arzt für eine zweite Meinung hinzugezogen werden kann (das nur während des normalen Tagesbetriebes).

Nachteile sind

  • manchmal lange Wartezeiten trotz Termin, falls viele Notfälle dazwischen kommen,
  • wechselnde Ärzte (befristete Verträge, Assistenzärzte rotieren oft und gehen auf die vollstationären oder tagesklinischen Einheiten).

In der letzten Zeit bin ich extrem antriebsarm, gleichzeitig haben auch die Angstanfälle und selbst verletzendes Verhalten zugenommen. Womit sich wieder einmal bewahrheitet, dass Depressionen und Angst oft zwei Seiten einer Medaille sind. Also haben wir beschlossen, mein morgendliches Antidepressivum auszutauschen und meine Anti-Angstmedikation zu erhöhen. „Wir“ wörtlich zu nehmen, ich hatte jederzeit Mitspracherecht. Gesprächstherapie und Ergotherapie werden fortgeführt.

Und jetzt heißt es wieder: Geduld! Es dauert, bis das Gehirn sich an eine neue Medikation gewöhnt. Das finde ich das Schwierigste, warten, wo ich doch am liebsten die psychischen Schmerzen einfach abschalten würde. Aber so einfach funktioniert das Spiel nicht. Blöde Spielregeln!

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